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Wil: 30.11.2015
Es war eine witzige, aber auch da und dort nachdenkliche Stunde, das "Gespräch im Hof zu Wil" mit Meinrad Gemperle und Toni Vescoli.
Es war eine witzige, aber auch da und dort nachdenkliche Stunde, das "Gespräch im Hof zu Wil" mit Meinrad Gemperle und Toni Vescoli.

Pfarrer und Rocker im Gespräch
Roland P. Poschung war bestens vorbereitet und lockte vieles aus seinen Gesprächspartnern heraus.
Vroni Krucker
Fröhlich, witzig und auch besinnlich präsentierte sich das „Persönlich im Hof zu Wil“ mit dem ehemaligen sehr beliebten Wiler Stadt-Pfarrer Meinrad Gemperle (79) und dem nicht minder geschätzten Schweizer Rockmusiker Toni Vescoli (73).

Auf den ersten Blick trafen sich im Hof zu Wil zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die allerdings im Laufe des Gesprächs sehr viele Gemeinsamkeiten entdeckten – auch in Glaubensfragen. Die zahlreichen Gäste erlebten fast zwei sehr aufschlussreiche, unterhaltsame und gemütliche Stunden, und es gab auch viel zu lachen im behäbigen Fürstenlandsaal des Hofes zu Wil.

Geprägt von der Familie
Sie sind eigentliche „Naturburschen“, der Pfarrer – aufgewachsen als Ältester von 14 Kindern auf einem Toggenburger Bauernhof und der Rocker, gezeugt in einem Aprikosengarten in Persien. „Wir haben den christlichen Glauben gelebt, aber nicht gefrömmelt“, betonte Meinrad Gemperle. Selbstverständlich hatte man seine „Ämtli“, musste mitarbeiten auf dem Hof. Sein Elternhaus mit einem sehr verständiger Vater hat ihn geprägt, streiten oder schlagen hätte er zuhause nicht gekannt. In der Schule dagegen schon, war doch sein Lehrer sehr grosszügig mit Hosenspannern und Tatzen, von denen er mal pro Monat 186 kassierte. „Das war aber auch eine Mutprobe“ betonte er. „Wer nicht lachend zurückkam, war ein Feigling. Bemerkte aber der Lehrer das Lachen, ging‘s mit Tatzen weiter………“.

„Meh als zfrede“
Der 80. Geburtstag im kommenden Jahr macht Meinrad Gemperle keine Sorgen. „Zwar könnte es in körperlichen Belangen da und dort etwas besser gehen“, meinte er, aber er sei „meh als zfrede“. Als „Solist bin ich nicht geboren“, bemerkte er weiter. Ihm sei es wichtig, die Gemeinschaft zu pflegen, gemeinsam etwas zu erarbeiten, Menschen so anzunehmen, wie sie sind, jedem seine Chance und seinen Weg zu lassen. Diese Grundgedanken, die Verbundenheit zur Erde und Offenheit für das Leben hat er vom Elternhaus mitgenommen - und das ist ihm noch heute sehr wichtig. „Religion darf nie abgehoben daherkommen“, betonte er. Sie sei tiefe Gemeinschaft, getragen und gelebt von jedem Einzelnen.

Atmen in der Kirche
Meinrad Gemperle freut sich, dass man seit Johannes XXIII wieder atmen kann in dieser Kirche, was jahrzehntelang nicht der Fall war. „Ich masse mir nicht an, den heutigen Papst Franziskus zu beurteilen“, erklärte er. Er ist aber sehr froh, dass ein anderer Wind weht, wieder der Mensch im Mittelpunkt steht und auch andere Religionen geachtet werden, was in der heutigen Zeit doppelt wichtig sei.

Vorbild Freddy Quinn
Die Reise der Familie Vescoli führte von Persien nach Peru. Während sieben Wochen waren Vescolis auf der See unterwegs. „In den Häfen hörte man immer die Musik von Freddy Quinn“. Diese Songs mit Heimat- und Fernwehgefühlen berührten den Musikbegeisterten Hochbauzeichner. „Laut schmetterte ich dessen Songs hinaus in den Wald“ lachte er. Eine Musikerkarriere stand noch in den Sternen. Gepackt hat es ihn, als er mit 15 Jahren die Gitarre seiner Schwester geschenkt bekam.

Les sauterelles
1962 gründete er die Band Les Sauterelles (die Heuschrecken). Bald trat die Musiker als Vorgruppe von Cliff Richards, The Shadows oder den Rolling Stones auf, wo sie ein begeistertes Publikum antrafen. Die Band erzielte grosse Erfolge, löste sich aber 1970 auf. Toni Vescoli startete seine Solokarriere, wo er viele Bob Dylan Songs auf Mundart übertrug und viele Lieder selber schrieb „Susann“, „Scho rot“, Hey Baby was isch los“, de Augie und ich“ und andere sind noch heute gefragt. Der neueste Song ist wohl seine Lebensdevise „MacheWasiWil“ – und so lautet auch der Titel seines Buches.

Lustige Anekdote
Seit 1993 sind „Les Sauterelles“ wieder erwacht und mit Tonis Vescoli erfolgreich und sehr viel unterwegs. Seine Eigenheit zeigt sich auch bei folgender Begegnung: Gattin Ruth stellte ihm das Ultimatum „Ich oder die Gitarre“. Toni: „Ich finde schneller mit der Gitarre eine Frau als mit der Frau eine neue Gitarre“. Darauf packte sie ihre Sachen und stieg in den Lift. Er: „Ich habe vor dem Lift gewartet, bis sie wieder hinauf kam – und so ist es auch passiert“. Sie hätten es gut miteinander und sich immer wieder zusammengerauft – auch das ist eine Kunst.

Besonnen agieren und reagieren
Sie waren sich einig, der Pfarrer und der Rocker - in Bezug auf den von der IS verbreiteten Schrecken gilt es, mehr Gelassenheit zu zeigen, besonnen zu reagieren. „Es sind vor allem die Moslems, die unter diesen Gruppierungen leiden“. Die Religionen verglichen mit dem Bergsteigen: der eine geht von dieser, jener von der andern Seite hoch. Dem Berg ist das egal, Hauptsache alle erreichen das Ziel – auch eine Lebensweisheit.

Der Moderator verstand es, auch Persönliches von den Gesprächspartnern zu erfragen und erfahren.
Der Moderator verstand es, auch Persönliches von den Gesprächspartnern zu erfragen und erfahren.

Meinrad Gemperle und Toni Vescoli entdeckten Gemeinsamkeiten.
Meinrad Gemperle und Toni Vescoli entdeckten Gemeinsamkeiten.

Sie gaben bereitwillig Auskunft....
Sie gaben bereitwillig Auskunft....

....und freuten sich über das gegenseitige Verständnis.
....und freuten sich über das gegenseitige Verständnis.

Man sieht, es gab auch einiges zu lachen.
Man sieht, es gab auch einiges zu lachen.

Bücher und CD's von Vescoli interessierten.
Bücher und CD's von Vescoli interessierten.

Ohne Musik liess man Toni Vescoli und seine Gitarre  natürlich nicht gehen....
Ohne Musik liess man Toni Vescoli und seine Gitarre natürlich nicht gehen....

....und so sang er "MacheWasiWill" und Zugaben.
....und so sang er "MacheWasiWill" und Zugaben.