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Zuckenriet: 19.03.2017
Sozusagen als Kraftwerk-Musik des Atomkraftwerks Zuckenriet startete der Musikabend der Brassband Zuckenriet.
Sozusagen als Kraftwerk-Musik des Atomkraftwerks Zuckenriet startete der Musikabend der Brassband Zuckenriet.

Mit dem erstmaligen Auftritt in der Dreifachturnhalle boten sich den Musikante attraktive Programmerweiterungen.
Mit dem erstmaligen Auftritt in der Dreifachturnhalle boten sich den Musikante attraktive Programmerweiterungen.

Aus der Brassband wird Brassical
Dank dem allzeit fordernden Dirigenten Danny in Sepp Zürcher, lassen sich alle Probleme überwinden und die Brass-Band Formation erfolgreich werden.
Niklaus Jung
Die Zuckenrieter Musikanten wagten mit ihrem Unterhaltungsabend gleich zwei Schritte nach vorn. Wohl dank dem Zuzug mit professioneller Regie durch Mario Schelbert wagten sie den Wechsel auf die grosse Bühne in der Dreifachturnhalle. Als Kraftwerksmusik im Zuckenrieter Kernkraftwerk erleben sie schöne und dunkle Stunden ob der drohenden Schliessung, ausgelöst durch die bevorstehende Abstimmung über deren Stilllegung. Die Ungewissheit schweisst die Musikanten noch enger zusammen und sie gewinnen die Ausscheidung des Brass-Band-Wettbewerbs.

Die Einmaligkeit der diesjährigen Zuckenrieter Musikunterhaltung hat einen Namen in der Person von Mario Schelbert. Unter seiner Regie gelang eine unterhaltsame Verbindung zwischen Geschichte und Musik. Das geschichtliche Geschehen zeigte sich in der Verbindung zum Atommeiler in Zuckenriet von besonderer Dramatik. Nicht nur standen die vielen Arbeitsplätze im Kraftwerk ob der drohenden Stilllegung in Gefahr, auch die vorgestellten unzulänglichen Betriebszustände im Kraftwerk liessen nichts Gutes ahnen.

Spannung und Humor in bunter Mischung
Gewöhnungsbedürftig war für die Gäste schon der neue Aufführungsort in der Dreifachturnhalle. Mit der Geschichte des Atommeilers und dampfenden Kühltürmen war man für spannende Momente vorgewarnt. Die durchgehend schwarze Kulisse der Bühne bedurfte durchaus einer Ermunterung, was der Clown (Bruno Giger) zum Auftakt denn auch besorgte.

Speziellen Erstauftritt boten die Musikanten in ihrem Atom-Tenu, dem sogenannten Schutzanzug wie man das von Atomkraftwerken auch kennt. Die nun zur betriebseigenen Brass-Band der "Becquerel-Brass" mit ihren rund 30 Mitgliedern stellte sich mit ersten Musikwerken vor, angefangen mit Floral dance. speziell für eine Brass-Band geschrieben, gefolgt von weiteren Stücken.

"So verlüüred mehr gäge d'Lenggewiler"
Die Kraftwerkband wurde offensichtlich deutlich strenger gehalten, wie sich seitens des Dirigenten Danny zeigte. Mit groben Flüchen wies er seine Musikanten ob deren angeblich schlechten Aufspielen zurecht und ordnete gleich spezielle Proben nach seinem Gutdünken an.

Dirigent Danny liess auch in der Folge nicht locker, seine Schützlinge an kurzer Leine zu halten. Für einmal rastete er gar aus mit Fluchen: "So verlüüred mehr gäge d'Lenggewiler".

Probleme im Kraftwerkbetrieb belasten
Der zwischenzeitlich in die Aufführung eingebaute Kraftwerkbetrieb liess die Gemüter nicht beruhigter werden. Die teils unzuverlässigen Reaktionen seitens der "Schalt-Ingenieure" wirkten nachdenklich. Nur dank dem Wissen, dass alles nur gespielt ist, wirkte das Ganze dennoch humorvoll und sorgte für Lacher im Publikum.

Die Situation erhielt weitere Spannung mit dem Bekanntwerden von Rissen im Reaktor. In der Zeitung wurde das Personal zudem als ungeschult und total unfähig beschrieben. Das führte auch innerhalb der Kraftwerkmitarbeiter zu Spannungen, was bei einem der Mitarbeiter auch familiäre Probleme ergab. Als dann seine Frau mit den Kindern das Haus verliess, war es für ihn zu viel, sodass er sich erhängen wollte. Gleichzeitig erreichte den Dirigenten nach längerem Husten eine Lungenembolie, was die Bühne in ein Spitalzimmer verwandelte. Letztendlich wendete sich dann alles zum Guten. Zum Guten leistete die neue Cornetistin Anna Schlauri ihren Beitrag, um die Musikgruppe auch erfolgreich an die Wettbewerbsausscheidung zu bringen.

Höchstleistungen im dritten Teil
Was in dieser Brass-Band steckt, wurde zwischenzeitlich bereits deutlich mit überaus wirksamen musikalischen Auftritten. Im dritten Teil zeigten sich die Musikanten, unterdessen wieder in ihren Uniformen, mit den anspruchsvollen und wirkenden Auftritten, dass sie für Höheres vorbereitet sind.

In der grossen Sporthalle bot sich zudem eine spezielle Möglichkeit für Aufführungen. Sozusagen mitten in der Wettbewerbsausscheidung stehend, führten sie in der Halle eine Marschmusik mit Evolutionen auf, indem sie dank genügend Freiraum rund um das Publikum marschieren konnten. Den Schlusspunkt setzten die Musikanten dann auf der Bühne mit musikalischen Höchstleistungen, was beim Publikum tobenden Applaus bewirkte.

Die neue Idee mit dem Wechsel in die grosse Sporthalle und der Mischung Musik und Theater zum "Brassical" zeigte sich einmalig und unterhaltsam. Im Wissen, dass die Brass-Band Zuckenriet nur eine von drei Formationen in der Gemeinde ist, gilt dem Auftritt besondere Beachtung.
Präsident Hans Sutter (rechts) heisst mit Dirigent Sepp Zürcher die zahlreich erschienen Gäste willkommen.
Präsident Hans Sutter (rechts) heisst mit Dirigent Sepp Zürcher die zahlreich erschienen Gäste willkommen.

Für erste Lacher und Ermunterung des Publikums sorgte Clown Bruno Giger.
Für erste Lacher und Ermunterung des Publikums sorgte Clown Bruno Giger.

Mit seinen Soloauftritten zeigte Matthias Keller seine Qualitäten, unterdessen als Profimusiker.
Mit seinen Soloauftritten zeigte Matthias Keller seine Qualitäten, unterdessen als Profimusiker.

Als Protokollführerin mussten die Ereignisse im Kernkraftwerk sorgfältig dokumentiert werden.
Als Protokollführerin mussten die Ereignisse im Kernkraftwerk sorgfältig dokumentiert werden.

Die neue Saalgrösse ermöglichte einen speziellen Auftritt der Musikanten, Marschmusik "March of the Cobblers" mit Evolutionen, angeführt von Dirigent Sepp Zürcher.
Die neue Saalgrösse ermöglichte einen speziellen Auftritt der Musikanten, Marschmusik "March of the Cobblers" mit Evolutionen, angeführt von Dirigent Sepp Zürcher.

Den lang anhaltenden Schluss-Applaus hatten die Musikanten hoch verdient nach den letzten anspruchsvollen Werken.
Den lang anhaltenden Schluss-Applaus hatten die Musikanten hoch verdient nach den letzten anspruchsvollen Werken.

Mit gefährlichen Filmszenen im Atombunker waren die Gäste fürs erste einmal etwas verunsichert.
Mit gefährlichen Filmszenen im Atombunker waren die Gäste fürs erste einmal etwas verunsichert.

Der Kommandoraum des Kernkraftwerkes machte die hochtechnischen Anlagen deutlich.
Der Kommandoraum des Kernkraftwerkes machte die hochtechnischen Anlagen deutlich.

Laufende Sicherheitsprüfungen um Verstrahlungen zu verhindern.
Laufende Sicherheitsprüfungen um Verstrahlungen zu verhindern.

Fragende Blicke ob der drohenden Schliessung des Atommeilers und den Arbeitsplatzuverlusten, was auch das Ende der Kraftwerkmusik bedeuten würde.
Fragende Blicke ob der drohenden Schliessung des Atommeilers und den Arbeitsplatzuverlusten, was auch das Ende der Kraftwerkmusik bedeuten würde.

Ungewissheit wie weiter, fragende Blicke überall.
Ungewissheit wie weiter, fragende Blicke überall.

Die neue Cornetistin Anna Schlauri erreichte bald einmal breite Beachtung.
Die neue Cornetistin Anna Schlauri erreichte bald einmal breite Beachtung.

Zum Schluss geht's dann doch aufwärts mit der Kraftwerkmusik kurz vor der Ausscheidung für London.
Zum Schluss geht's dann doch aufwärts mit der Kraftwerkmusik kurz vor der Ausscheidung für London.

Musikpräsident Hans Sutter ehrte abschliessend speziell die eingesetzten Schauspieler für deren unterhaltsamen Auftritte.
Musikpräsident Hans Sutter ehrte abschliessend speziell die eingesetzten Schauspieler für deren unterhaltsamen Auftritte.