iwp logo infowilplus.ch  
Orte
Spezial
Wil: 19.03.2017
Die Künstler nehmen viel Applaus des begeisterten Publikums entgegen.
Die Künstler nehmen viel Applaus des begeisterten Publikums entgegen.

Die Geschichte eines Antihelden auf Berndeutsch
Pedro Lenz und Christian Brantschen ergänzen sich grossartig
Bettina Scheiflinger
Im Chällertheater des Baronenhaus traf gestern Pedro Lenz‘ Geschichte eines hoffnungslos Verliebten aus „Di schöni Fanny“ auf die musikalische Verfeinerung am Klavier von Christian Brantschen. Der neuste Roman von Lenz wartet mit einer musikalischen Lesung auf. Der Keller war ausverkauft und das Dargebotene vom Feinsten.

Jackpot verbringt seine Tage mit grossen Ambitionen, einen Roman zu schreiben. Den roten Faden hat er endlich gefunden. Doch weil er gerne in den Tag hinein lebt, geht das Schreiben nicht so recht vorwärts. Er steht gerne an Bahnhöfen herum, sein gutverdienender Bruder hilft ihm finanziell aus, während sich Jackpot mit seinen Künstlerfreunden in der Heimatstadt Olten trifft.

Jackpot ist ein „gmögiger“ Typ und er ist verliebt. Natürlich in die schöne Fanny. Eine Kunststudentin, die Louis, ein Kunstmaler und Jackpots väterlicher Freund, Modell steht. Sie ist unglaublich schön und hat schon manchen Männern jeglichen Alters den Kopf verdreht. Nur festlegen will sich Fanny nicht, und das bringt Jackpot fast um den Verstand.

Keine klassische Wasserglaslesung
Pedro Lenz stellt seinen neuen Mundartroman nicht mit einer Wasserglaslesung vor. Er bietet in Zusammenarbeit mit Christian Brantschen einen Abend, bei dem sich die Musik um die Geschichte schmiegt. Stehend am Mikrophon liest Lenz die Geschichte von Jackpot, seinen Freunden und Fanny vor, erzählt dazwischen frei und Brantschen ergänzt mit seinen Klaviertönen die Stimmung der Figuren und ihre Handlungen.

Lenz nennt es bei der Begrüssung eine „musikalisch verbesserte Lesung“. Es ist mehr als das. Die zarten Klänge lassen die Zuhörenden nachfühlen, wie wunderbar diese Fanny ist, wie die Verzweiflung und die Eifersucht Jackpot peinigen oder wie sein verliebter Puls rast.

Berndeutsch geht runter wie Honig
Wenn man selbst mit einem Ostschweizerdialekt spricht, fühlt es sich sperrig an, den Roman auf Berndeutsch zu lesen. Hört man aber Lenz und Brantschen zu, geht die Sprache runter wie Honig. Das Publikum lacht viel, Lenz beherrscht die Kunst des nüchternen Schalks. Ausserdem zeigt sich das schauspielerische Talent des Autors: Mit Körper- und Stimmeinsatz überzeugt er das Publikum.

Die Kombination aus Musik und Text gelingt den beiden Künstlern einwandfrei, dieser Abend bietet ebenso grossen Mehrwert für Zuschauende, die den Roman gelesen haben wie auch für diejenigen, die es (noch) nicht getan haben. Viele der Letzteren haben im Anschluss an die Lesung das Buch erworben und lassen es vom Autor persönlich vor Ort unterschreiben.

Das Ende sei noch nicht verraten
Lenz liest während fast zwei Stunden chronologisch, lässt wenig aus. Und wie geht die Liebesgeschichte denn weiter? Fanny willigt schliesslich ein, Jackpot etwas von ihr zu geben. Er darf sich aussuchen, was er möchte. Was willst du, das Gesicht, die Hände, den Körper, die Seele, den Geist? fragt sie ihn. Er entscheidet sich, nachdem sie ihm dazu geraten hat, vorerst für ihren Körper. Doch Fanny übernachtet danach nicht bei Jackpot und als er sie auch Tage danach nicht mehr finden kann, ist seine Verzweiflung gross. Wie die Geschichte ausgeht, behält Lenz dann geschickterweise für sich.

Programm für nächste Saison im Chällertheater ist vielversprechend
Die Lesung „Di schöni Fanny“ markiert den Abschluss der Sasion im Chällertheater. Das Programm für die nächste Saison, die am 7. Oktober startet, steht zwar noch nicht vollständig, doch renommierte Künstler wie Endo Anaconda und Pippo Pollina konnten schon verpflichtet werden. Die Besucher und Besucherinnen dürfen sich auf eine weitere Runde feinste Bühnenkunst ab Herbst 2017 freuen.
Das Chällertheater im Baronenhaus lädt ein zur letzten Veranstaltung in dieser Saison.
Das Chällertheater im Baronenhaus lädt ein zur letzten Veranstaltung in dieser Saison.

Lenz zeigt nebst literarischem auch schauspielerisches Talent.
Lenz zeigt nebst literarischem auch schauspielerisches Talent.

Christian Brantschen entlockt dem Klavier die Töne zu Lenz‘ Worten.
Christian Brantschen entlockt dem Klavier die Töne zu Lenz‘ Worten.

In der Pause bietet die Bar des Chällertheaters Raum und Zeit für eine Erfrischung oder einen feinen Tropfen.
In der Pause bietet die Bar des Chällertheaters Raum und Zeit für eine Erfrischung oder einen feinen Tropfen.

Packend liest und erzählt Lenz die Geschichte, doch das Ende bleibt Geheimnis<br>7. Pedro Lenz signiert sein Buch „Di schöni Fanny“
Packend liest und erzählt Lenz die Geschichte, doch das Ende bleibt Geheimnis
7. Pedro Lenz signiert sein Buch „Di schöni Fanny“

Pedro Lenz signiert sein Buch „Di schöni Fanny“.
Pedro Lenz signiert sein Buch „Di schöni Fanny“.