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Wuppenau: 20.03.2017
«Wir bauen maximal zwölf Jahre lang ab»
Die Zu- und Wegfahrt zur Kiesgrube geschieht über eine Kantonsstrasse, welche kein Schulweg ist oder tangiert.
Christof Lampart
Mit Flugblättern bekämpfen Gegner die von der Cellere Bau AG geplante Kiesgrubenerweiterung im Wuppenauer Groosswis. Wie Projektleiter Christoph Stucki jedoch im Gespräch darlegte, basieren viele Anschuldigungen und Behauptungen auf falschen Fakten und abenteuerlichen Annahmen.

Christoph Stucki sitzt im Besprechungsraum der Baufirma Cellere Bau AG in Münchwilen. Vor ihm liegen die Flugblätter der Gegner, welche «anscheinend um jeden Preis das Projekt verzögern wollen», so Stucki sinnierend.

Keine Ablehnung bei Pro Natura
Dass es bei Projekten Einsprachen geben kann, weiss der Bauexperte. Und doch erstaunt es ihn, dass die Erweiterung der Kiesgrube Groosswis in Wuppenau so viel Staub aufwirbelt – schliesslich hätten der Kanton Thurgau und die Gemeinde Wuppenau genau in der Planungsphase hingeschaut. Selbst die sehr kritischen Naturschutzverbände von WWF und Pro Natura hatten nichts am Projekt auszusetzen.

Dass die Cellere Bau AG nun wenige Tage vor der Gemeindeversammlung vom 29. März, an welcher der Souverän über die Umzonung der Parzelle 292 von der Landwirtschafts- in eine Abbauzone entscheiden wird, den Weg an die Öffentlichkeit sucht, hat «damit zu tun, dass vieles nicht stimmt, was in den Flugblättern steht. Dem möchten wir mit Fakten entgegentreten, so dass an der Gemeindeversammlung sachlich diskutiert werden kann», so Stucki.

Herr Stucki, die Gegner behaupten, dass die Cellere Bau AG mangelhaft über die Kiesgrubenerweiterung informiert hat. Was ist an diesem Vorwurf dran?»
Christoph Stucki: «Gar nichts. Wir haben im Winter 2013, in Absprache und Koordination mit dem Gemeinderat, die umliegenden Bewohner eingeladen und sie über unsere Projektabsicht Erweiterung Kiesgrube Groosswis Parzelle 292 und Schaffung einer Deponiezone Otteloo angrenzend an die Grubenerweiterung informiert. Einige erklärten, dass sie nicht gegen die Kiesgrube seien, jedoch die Katze nicht im Sack kaufen wollten – und verlangten, dass wir einen Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) und einen Gestaltungsplan in Auftrag geben sollten. Das taten wir. Dann folgten weitere Projektabklärungen mit dem Entscheid der Projekt-Redimensionierung auf die Kiesgrubenerweiterung, anschliessend die Planungsphase mit der Vorprüfung des Dossiers sowie den Berichten von Kanton und Gemeinde - welche für das Projekt positiv ausfielen.

Im Winter 2015 hatten wir mit Herrn Duelli (dem Sprecher der IG Leitbild/DepoNIE – Anm. art.) wegen des Projektumfangs und des aktuellen Status erneut Kontakt. Herr Duelli nahm diese Redimensionierung des Projektumfanges erfreut und wohlwollend entgegen. Im August 2016 folgte das hydrogeologische Gutachten und eine Koordinationssitzung mit der Gemeinde. Total fanden drei Treffen mit den Gegnern sowie zwei Infoveranstaltungen, zu denen die Cellere Bau AG eingeladen hat, mit Geländebegehung, Visualisierung des Abbaugebietes und den Abbauetappen, durch Absperrbänder und grossen Karten statt. Auch die Medien berichteten. Leider wurden die Verhandlungen durch die Bedenkenträger am letzten 16. Januar abgebrochen, obwohl wir uns im Inhalt betreffend der zusätzlichen Vereinbarungen einig waren. Diese zusätzlichen Vereinbarungen wurden mit der Gemeinde nun vertraglich festgehalten und mit dem Erhalt der Abbaubewilligung rechtskräftig und dem öffentlichen Recht unterstellt. Viel mehr kann man doch da wirklich nicht machen.»

Die Gegner schreiben, dass sie in die Planungen nicht mit einbezogen wurden.
Christoph Stucki: «Dort, wo wir etwas selbständig machen konnten – nämlich im Bereich des Kiesabbaus, bei der Planung der lärmintensiveren Brechertage und der Betriebszeiten, haben wir die Bedenkenträger mit einbezogen und sie vorinformiert. Letzten November wurden wir dafür gelobt, namentlich von Herrn Duelli. Warum nun so was behauptet wird, verstehe ich nicht.»

Ein Flugblatt deutet an, dass die Kiesgrubenerweiterung länger als 16 Jahre genutzt werden könnte.
Christoph Stucki: «Das wird nicht der Fall sein, denn die im UVB festgelegte Dauer von 16 Jahren beinhaltet auch die Rekultivierung. Wir werden auf der Parzelle 292 zwölf Jahre lang abbauen und ein Jahr fürs Rekultivieren brauchen. Anschliessend werden wir in drei Jahren die restlichen Flächen rekultivieren»

Und was ist mit dem Lärm, den die Kiesabbaugegner in Feld führen?
Christoph Stucki: «Wir nehmen grosse Rücksicht auf die Bevölkerung. Es ist verbindlich geregelt, dass wir den Kies ausschliesslich in der kühlen Jahreszeit, von Oktober bis März, abbauen und brechen, wenn sich also weniger Menschen im Freien aufhalten. Ausserdem bescheinigt uns ein Lärmgutachten, dass wir weit unter den gesetzlichen Werten liegen.»

Im Flugblatt steht, dass die Lastwagen die Sicherheit der Schulkinder gefährden könnten.
Christoph Stucki: «Das wird nicht der Fall sein, denn die Zu- und Wegfahrt zur Kiesgrube geschieht über eine Kantonsstrasse, welche kein Schulweg ist oder tangiert.»

Und die Anfahrt, geschieht diese über Schönholzerswilen?
Christoph Stucki: «Nein, die regionale An- und Wegfahrt wird über die Kantonsstrasse Richtung Mettlen, Zuzwil und Wil erfolgen».

Ein weiterer Vorwurf lautet, der aktuelle Recyclingbetrieb sei nicht zonenkonform.
Christoph Stucki: Doch er ist zonenkonform; unsere aktuelle Bewilligung des Kantons gilt bis Ende 2019. Auch wird der aktuelle Recyclingbetrieb durch die kantonale Fachstelle kontrolliert»

Und wie steht es mit dem Vorwurf, dass Cellere den Recyclingbetrieb in Zukunft weiterführen möchte?
Christoph Stucki: «Da kann ich alle beruhigen. Sobald wir die Abbaubewilligung für die Kiesgrubenerweiterung erhalten haben, werden wir den Recyclingbetrieb einstellen. Dies ist auch in der aktuellen Planung verbindlich festgehalten.»

Auch kann man in den Flyern von einem Deponiepreis von bis zu 50 Franken/m3 und Einnahmen von 30 Millionen Franken lesen. Verdienen Sie sich hier eine goldene Nase?
Christoph Stucki: «Dass wir Geschäften, um Geld zu verdienen, ist ja wohl verständlich und logisch. Aber diese Zahlen entbehren jeglicher Basis und sind wirklich absolut utopisch. Wir möchten noch anmerken, dass entgegen den Äusserungen der IG, nie die gesamte Fläche offen sein wird. Es findet ein kontinuierlicher Abbau und Rekultivierung statt. Nach dem Abschluss des gesamten Projekts wird wieder eine Umzonung in die Landwirtschaft Zone beantragt.»
Projektleiter Christoph Stucki vor dem Cellere-Firmengebäude in Münchwilen: "Die Zufahrt zur Kiesgrube erfolgt über die Kantonsstrasse".
Projektleiter Christoph Stucki vor dem Cellere-Firmengebäude in Münchwilen: "Die Zufahrt zur Kiesgrube erfolgt über die Kantonsstrasse".