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Wil: 20.03.2017
Othmar Schlauri, Präsident, Thomas Brem und Ivo Bommer (v.l) bilden auch 2017 den Vorstand. Es war kein Wahljahr.
Othmar Schlauri, Präsident, Thomas Brem und Ivo Bommer (v.l) bilden auch 2017 den Vorstand. Es war kein Wahljahr.

Antrag annehmen oder nicht: Die Mitglieder waren nicht immer gleicher Meinung.
Antrag annehmen oder nicht: Die Mitglieder waren nicht immer gleicher Meinung.

Kompromiss zwischen Baumeistern und Armee
Die Mitglieder des Baumeisterverbandes Wil-Toggenburg-Gossau fühlen sich durch den nationalen Verband teilweise schlecht vertreten.
Thomas Riesen
Vertreter von 27 Mitgliedsfirmen trafen sich im Hof zu Wil zur Hauptversammlung des Baumeisterverbandes Wil-Toggenburg-Gossau. Zu reden gaben vor allem Bewilligungen für die Armee Objekte abzubrechen. Das Traktandum „Informationen aus dem Schweizerischen Baumeisterverband“ löste Kritik aus.

Soll die Armee zu Übungszwecken Objekte abreissen dürfen? Mit dieser Frage befassten sich die Bauleute im Hof zu Wil intensiv. Konkret ging es um vier Objekte: Den Abruch eines Klärbeckens in Mogelsberg, eines Klärbeckens in Brunnadern, eines Bauernhauses in Alt St. Johann sowie der Entleerung eines Steinschlagnetzes in Wildhaus.

Selbstverständlich ist das nicht, die Armee könnte zur Konkurrenz für die Bauunternehmen werden. Diese Ansicht vertrat ein Versammlungsteilnehmer deutlich. Das gelte auch im Toggenburg. Ein anderer Teilnehmer sagte: „Soll die Armee das übernehmen. Wenn es zur Ausbildung dient, ist das in Ordnung.“

Klärbecken Sache der Baumeister
Simon Schällibaum äusserte sich differenzierter. Die Klärbecken seien Sache der Baumeister, daran sollten sie verdienen. Den Abbruch des Bauernhauses durch die Armee unterstützte er jedoch. „Es ist ein Sicherheitsrisiko, bei einem Sturm fliegen die Teile viele Meter in der Gegend herum.“ Aber vor allem sei es optisch keine gute Werbung für das Neckertal. Auch die Leerung des Steinschlagnetzes wollte er der Armee überlassen, diese habe schliesslich Helikopter.

Othmar Schlauri, Präsident des regionalen Baumeisterverbandes, warb für Einsatzmöglichkeit der Armee. Ein solcher Abbruch sei die beste Übung für das Zusammenspiel mit dem Zivischutz und früher sei das auch üblich gewesen. Nicht bewilligt wurde von den Mitgliedern der Armeeeinsatz beim Abbruch der beiden Klärbecken, um das Bauernhaus und das Steinschlagnetz dürfen sich Soldaten und Zivilschützer kümmern.

2017 keine Lohnerhöhungen
Über die Entwicklung beim Schweizer Baumeisterverband informierte Kurt Maus, Geschäftsführer beim Baumeisterverband des Kantons St. Gallen. Er musste sich viel Kritik anhören, in einigen Bereichen. Doch erst berichtete er über das Ergebnis der Verhandlungen mit den Gewerkschaften, die im „Paritätischen Fonds des schweizerischen Bauhauptgewerbes“ zusammenarbeiten. Für 2017 ist keine Lohnerhöhung vorgesehen, auch die Basislöhne bleiben unverändert.

Ein Streitpunkt war das Krankentaggeld. „Die Regelungen widersprechen sich teilweise und die Firmen bekommen deshalb nicht immer Geld von der Versicherung“, sagte Maus und ergänzte: „Es waren schwierige Verhandlungen, aber der Fonds ist die Grundlage für den Landesmantelvertrag.“ So seien sie Kompromisse eingegangen.

Schlecht vertreten
Genau damit waren einige Mitglieder des Baumeisterverbandes Wil-Toggenburg-Gossau nicht mehr einverstanden. Sie fühlten sich durch den nationalen Verband teilweise überhaupt schlecht vertreten. Es würden vor allem die Gewerkschaften profitieren war mehr als einmal zu hören.

Kurt Maus verteidigte die Zusammenarbeit, der Paritätische Fonds sei wertvoll für die Ausbildung. Unabhängig davon würden es Mitglieder des regionalen Verbandes Begrüssen, wenn dieser aus dem nationalen Verband austreten würde. In diesem Punkt vertrat der Referent aber eine klare Meinung: Wer nicht Mitglied ist, kann nicht mehr mitreden.

Kritik am Gesamtarbeitsvertrag
In seinem Jahresbericht befasste sich Othmar Schlauri mit verschiedenen Themen. Den Gesamtarbeitvertrag kritisierte er, weil dieser für das Bauhauptgewerbe unerwünschte Nebeneffekte mitbringe. Unter anderem müsste Personal, dass arbeitslos ist, vom neuen Arbeitergeber in der gleichen Lohnklasse wieder angestellt werden, unabhängig von Fähigkeiten oder Alter. „Das System wird zum Jobkiller, obwohl viele der Betroffenen für weniger Geld arbeiten würden.“

Die hohe Zahl der Betroffenen Bauarbeiter führt der Präsident unter anderem auf die Praxis der Temporärbüros zurück. Selbst Personen die nur kurze Zeit auf dem Bau gearbeitet haben, würden bei der Arbeitslosenversicherung als Bauarbeiter registriert, selbst wenn ihre Fähigkeiten in Wirklichkeit eingeschränkt seien.

Kurt Schreiber geehrt
Mit der 93. Hauptversammlung waren keine Wahlen verbunden. Der Vorstand besteht unverändert aus Othmar Schlauri, Thomas Brem und Ivo Bommer. Allerdings musste der Präsident den Austritt eines Mitgliedes bekanntgeben: Kurt Schreiber aus Niederwil hat seine Geschäftstätigkeit aufgegeben. Er wurde für seine langjährige Zugehörigkeit mit der Freimitgliedschaft geehrt.

Gäste im Hof zu Wil waren Daniel Stutz und Ueli Büchi, Leiter Berufsbildungspolitik des Schweizerischen Baumeisterverbandes. Der Wiler Stadtrat überbrachte die Grussbotschaft der Behörde. Thema des Referates von Ueli Büchi war „Ausbildung/Prüfung für Baumaschinenführer“. Ziel sei vor allem die unfallfreie Bedienung der Maschinen.
Kurt Maus orientierte über die neuesten Entwicklungen beim Schweizer Baumeisterverband.
Kurt Maus orientierte über die neuesten Entwicklungen beim Schweizer Baumeisterverband.

Kurze Verschnaufspause beim Apero.
Kurze Verschnaufspause beim Apero.

Auch wenn teilweise intensiv diskutiert wurde ist, blieb auch Zeit für entspanntere Momente.
Auch wenn teilweise intensiv diskutiert wurde ist, blieb auch Zeit für entspanntere Momente.