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Kirchberg: 19.05.2017
Der Referent, Gian-Mattia Schucan, fesselte das Publikum mit der neuen Ticket-Handyapplikation namens „FAIRTIQ“.
Der Referent, Gian-Mattia Schucan, fesselte das Publikum mit der neuen Ticket-Handyapplikation namens „FAIRTIQ“.

Lebhafte Diskussion über das Handy-Ticket.
Lebhafte Diskussion über das Handy-Ticket.

Vorsichtiger Optimismus und Innovation bei den Tickets
Die BUS Ostschweiz AG setzt mit "FAIRTIQ" auf Vereinfachungen beim Ticket-Bereich.
Peter Küpfer
Die 22. GV der BUS Ostschweiz AG fand im grossen Saal des Hotels Toggenburgerhof in Kirchberg statt. Das Unternehmen zeigt sich mit dem vergangenen Wirtschaftsjahr zufrieden, bedankt sich bei den Partnern für die konstruktive Zusammenarbeit und blickt trotz zunehmender Herausforderungen optimistisch in die Zukunft. Zu reden gab die personelle Vergrösserung des Verwaltungsrates sowie die Einführung des neuen elektronischen Tickets „FAIRTIQ“ ab 1. Juni 2017.

Hans Frei, Präsident des Verwaltungsrates, eröffnete die Versammlung mit Hinweisen zu entscheidenden Eckpunkten des vergangenen Geschäftsjahres.

Im Tarifsystem Schweiz Vereinfachungen durchsetzen
Die Entwicklung der BUS Ostschweiz AG sei wiederum erfolgreich gewesen. „Als Teil des erfolgreichen Gesamtsystems öffentlicher Verkehr Schweiz haben wir unseren Beitrag geleistet.“ Das Unternehmen habe in der Landschaft der Transportunternehmen eine mittlere Grösse. Deshalb sei ihm Kooperation wichtig.

Auch im vergangenen Jahr hätten Besteller ihrer Leistungen, die Planer und auch die Transportunternehmen eng zusammengearbeitet, sowohl in Hinblick das Angebot wie auf die Tarife. „Hier sind nun alle Beteiligten gefordert, im Tarifsystem Schweiz Vereinfachungen durchzusetzen und mehr Flexibilität zu ermöglichen“, sagte der Präsident.

Herausforderungen
Geschäftsführer Walter Dierauer, der an der nächsten HV nach 15-jähriger Amtszeit ausscheiden wird, verheimlichte die Herausforderungen nicht, mit denen das Unternehmen auch im letzten Jahr konfrontiert war. Wie Dieraurer ausführte, waren auch in diesem Jahr die Prognosen im Bereich der Nachfrage zu optimistisch. Die Erträge entwickelten sich von daher nicht im erwarteten Rahmen.

In Zukunft werde das Augenmerk vermehrt auf den Themenbereichen Ausbau bzw. Halten des Angebots „oder sogar Abbau des Angebots liegen“, sagte Dieraurer. Denn: „Auf Tariferhöhungen reagieren unsere Fahrgäste zunehmend sensibel.“ Dierauer erwähnte auch den Knackpunkt St. Galler Pensionskasse, bei der die Mitarbeitenden angeschlossen sind. Als positiv für die Zukunft stufte Dierauer die Weiterentwicklung des Standorts Altstätten ein sowie den neu bezogenen Betriebsstandort in Sargans.

Neuwahlen in den Vorstand
Die ordentlichen Traktanden wurden zügig und diskussionslos abgewickelt, die Abstimmungen ergaben durchwegs einstimmige Resultate. Neu in den Verwaltungsrat des Konzerns wurden einstimmig gewählt Thomas Ammann (Rüthi) und Dr. Bettina Fleisch (Appenzell).

Der Präsident begründete diese personelle Verstärkung mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, der Verwaltungsrat müsse sich in Hinblick auf die Kontinuität auch immer wieder etwas „verjüngen“. Zudem wolle er nicht, fügte er schmunzelnd hinzu, „in die Geschichte eingehen als amtsältester frauenloser Verwaltungsrat“.

Innovation im Ticket-Bereich: FAIRTIQ
Auf grosses Interesse stiess das Referat von Gian-Mattia Schucan, Geschäftsführer der Spezialfirma FAIRTIQ AG. Sie hat eine Handy-Applikation entwickelt, mit deren Hilfe der Reisende sein Ticket-Problem sehr einfach lösen kann. Wer die Applikation besitzt, startet das Programm mit einem Klick auf seinem Handy, steigt ein und löst seine Fahrkarte mit einem weiteren Klick nach dem Aussteigen, so die Ankündigung des Referenten. Den Rest macht das Programm selbst.

Das Programm berechnet und verrechnet dabei den Reisenden immer den günstigsten Tarif. Wenn der Reisende pro Tag so viele Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr in Anspruch nimmt, dass eine Tageskarte günstiger gewesen wäre, verrechnet das System die Tageskarte. Es meldet sich auch, wenn du das Auschecken vergisst und weiss, ob du zum halben Tarif fährst und ab wann du Kosten generierst, bei denen der Wechsel zum GA günstiger wäre. Bus Ostschweiz AG führt diese neue Möglichkeit des Fahrscheinerwerbs ab dem 1. Juni 2017 ein.

Datenschutz? Das Programm weiss viel
Die Diskussion war lebhaft und machte klar, dass wie überall die Dinge auch hier noch weitere Aspekte haben. Unter anderem wurden durch Fragen die Bereiche Ausgabenkontrolle, Verbuchung bzw. Inkasso der aufgelaufenen Kosten (Kreditkarte oder Swisscom, der vorläufig einzig angeschlossene Anbieter) und Datenschutz erwähnt.

Das Programm weiss viel. Es merkt, ob du wirklich eingestiegen bist und natürlich wo (die Handy-Ortung muss auf on-Stellung sein), es merkt, wann und wo du aussteigst. Mit der Rechnungsstellung ist natürlich auch deine Identität bekannt. Zumindest ein Jahr lang. Dann sollen die Daten gelöscht werden. Wie ein Aktionär beim Hinausgehen scherzhaft bemerkte: Bankräuber werden es sich gut überlegen, ob sie beim nächsten Überfall FAIRTIQ anklicken.
VR-Präsident Hans Frei führte zielstrebig durch die Versammlung.<br>
VR-Präsident Hans Frei führte zielstrebig durch die Versammlung.


Walter Dierauer, Geschäftsführer, greift Markantes der gegenwärtigen Entwicklung des Konzerns heraus.
Walter Dierauer, Geschäftsführer, greift Markantes der gegenwärtigen Entwicklung des Konzerns heraus.

Die beiden neuen Verwaltungsräte, Dr. Bettina Fleisch und Thomas Ammann.
Die beiden neuen Verwaltungsräte, Dr. Bettina Fleisch und Thomas Ammann.

Unter den Gästen fand sich auch Urs K. Scheller von der IG ÖVWil. (Bildmitte)
Unter den Gästen fand sich auch Urs K. Scheller von der IG ÖVWil. (Bildmitte)

Wil Mobil ist tragender Bestandteil der Bus Ostschweiz AG.
Wil Mobil ist tragender Bestandteil der Bus Ostschweiz AG.