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Oberuzwil: 08.08.2017
<br>Kurz vor dem Gottesdienst war ein Regenschauer über den Dorfplatz gegangen - keine Chance für eine Feier auf dem Gelände.

Kurz vor dem Gottesdienst war ein Regenschauer über den Dorfplatz gegangen - keine Chance für eine Feier auf dem Gelände.

<br>Und so hätte man es gerne gehabt...

Und so hätte man es gerne gehabt...

<br>"Jede brucht sy Insel" - gesungen von René Schärer, dazu begleitet von Gerd Spycher am E-Piano und der Gitarre von René Schärer.

"Jede brucht sy Insel" - gesungen von René Schärer, dazu begleitet von Gerd Spycher am E-Piano und der Gitarre von René Schärer.

<br>Der Prophet Elia kann nur noch die Hände nach Gott ausstrecken und sich neu füllen lassen.

Der Prophet Elia kann nur noch die Hände nach Gott ausstrecken und sich neu füllen lassen.

Jede brucht sy Insel
Ökumenischer Feriengottesdienst in der Grubenmannkirche Oberuzwil
Annelies Seelhofer-Brunner
2015 war zum ersten Mal ein Gottesdienst auf dem Dorfplatz angeboten worden, eine Art geistliche Feier zum Schweizer Nationalfeiertag vom 1. August. Damals konnte der Gottesdienst bei schönstem Wetter durchgeführt werden. Auch dieses Jahr war wieder eine derartige Feier geplant worden, diesmal unter dem Namen „Feriengottesdienst“. Leider machte das Wetter einen dicken Strich durch die Rechnung. Doch die ökumenische Feier mit Ingrid Krucker, Pfarreibeauftragte, und René Schärer, evangelischer Pfarrer in der stilvollen Grubenmannkirche liess das bald vergessen.

Jede brucht sy Insel
Dieses Lied von Peter Reber ist zu einem richtigen Volkslied geworden. Es gab dem Gottesdienst auch das Motto. Was liegt näher, als in Ferienzeiten über Oasen im Trubel des Alltags, über Innehalten und Stille zu reden? Dass da auch Träume dazugehören, machte der Text des Liedes klar. René Schärer zauberte mit Worten eine Ferienstimmung vor der versammelten Gemeinde auf, warf aber auch die Frage in die Runde, ob nicht auch manchmal einfach nur „Sand im Getriebe“ sei. Da tue es gut, auf die Stimme von Gott zu hören, seine eigene Spiritualität zu überdenken.

Natürlich wurde das Lied auch gesungen, erst als Solo von René Schärer, welcher sich an der Gitarre begleitete, gefühlvoll unterstützt von Gerd Spycher am E-Piano, später auch als Gemeindelied, und zwar möglichst auf Berndeutsch…

Dialogische Lesung
Lektor Hans-Peter Zülli las aus dem ersten Buch der Könige – im Wechsel mit René Schärer und Ingrid Krucker – die biblische Erzählung über den Propheten Elia, diesen Baalspriester-Verfolger, der sich bei Gott über seine Kraftlosigkeit und die Nachstellungen seiner Feinde beklagt. Er soll sich am Berg Horeb „vor das Angesicht Gottes stellen“. Erst aber geht Elia in eine Höhle, um zu übernachten. Da bedroht ihn ein unheimlicher Sturm, die Erde bebt fürchterlich, es brennt rundherum. Doch nirgends in diesen Wetterphänomenen „war Gott“, wie es heisst. Doch ein leises, feines Säuseln lässt Elia vor die Höhle treten.

Biblische Auszeit
Ingrid Krucker hatte eine Bildkarte verteilen lassen, auf welcher der Prophet Elia zusammengekauert in einer Höhle zu sehen ist, gemalt vom deutschen Theologen und Kirchenmaler Sieger Köder (1925 – 2015). Im Hintergrund brennt der Wald, ein Erdbeben hat den Felsen rund um die Höhle aufgebrochen, der Mann kniet - von flammend rotem Tuch bedeckt – auf dem Boden, eine Hand verdeckt die Augen, die andere hält grüne Blätter in der nach oben offenen Hand. Er hat Gott im leisen Säuseln des Windes vernommen. Das kann leicht überhört werden, heute sowieso.

Wir müssen, genau wie Elia, zuerst die Hände leermachen, die Kontrolle abgeben, damit wir Gutes empfangen, uns neu füllen lassen können. Es braucht Raum und Stille für Gottes Wirken. Die rote Farbe auf dem Umschlagtuch von Elia deutet darauf hin, dass Wut und Blut, Rache und Feuer überwunden sind, sich in Liebe – symbolisiert durch Rot – umgewandelt hat.

Moderne Liedtexte
Singen gehört in unserer Kirche zu jeder gottesdienstlichen Feier. Ein übersichtliches Liedblatt gestattete es, auch bei weniger bekannten Melodien mitsingen zu können. „Ein heller Morgen ohne Sorgen“ machte den Anfang, dieser klangvolle Kanon, den Willi Gohl 1957 komponiert hatte und der seither in allen Schulliederbüchern steht. Aber auch „Da berühren sich Himmel und Erde“ machte klar, dass Menschen viel zu einem guten Miteinander tun können. Den Hass überwinden, neu zu beginnen, immer wieder, darum geht es im Leben.

Als Segenslied hatten die beiden Feierverantwortlichen das Lied „Von allen Seiten umgibst du mich“ ausgewählt, welches mit den tröstlichen Worten aufhört „und hältst deine Hand über mir“. Alle diese gesungenen Texte sprechen heutige Menschen direkt an. Ein solches Lied verstärkt die Verkündigung und wirkt nach.

Fürbitten
Ingrid Krucker bat um Beistand für Menschen im Strudel der Gewalt. Sie erinnerte an Niklaus von Flüe, welcher das wunderbare Gebet hinterlassen hat: „Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir“. René Schärer seinerseits bat um innere Ruhe und um das Sehnen nach Nähe zu Gott. Das durch die Bewegung von Taizé wieder aus der Versenkung herausgeholte und seit einiger Zeit auch in den evangelischen Kirchen wieder häufig verwendete, ursprünglich griechisch-orthodoxe „Kyrie eleison“, dieser Anruf Gottes um Erbarmen, schloss die einzelnen Fürbitten klangvoll ab.

Feierliche Pianoklänge
Organist Gerd Spycher umrahmte die gehaltvollen, kurzgehaltenen Gedanken zum Thema mit meditativen Klängen. Man konnte in den Klangwolken wunderbar abtauchen, ganz auf „synere Insle“ sein. Dazu ist Musik auch da. Sie bringt den Menschen zu sich selber, malt ohne Worte ganze Stimmungen auf und hat zudem eine heilende Wirkung auf die Seele – sofern sie gut und einfühlsam gespielt wird.

Kollekte
Zu einem christlichen Gottesdienst gehört es, dass man für ein wohltätiges Werk sammelt. Diesmal wurde KOVIVE SCHWEIZ bedacht, dieses Hilfswerk, welches sich für Benachteiligte, von schlimmen Schicksalsschlägen betroffene Kinder und deren Familien kümmert. Im Kasten gibt es dazu einen Link.

Geselliger Teil
Da der Gottesdienst ursprünglich für eine Feier auf dem Dorfplatz vorbereitet worden war, hatten die Verantwortlichen mit den Wirtsleuten im ehemaligen Restaurant DORFPLATZ – heute heisst es ROMEO - bereits im Vorfeld den Kirchenkaffee in diesem Lokal abgemacht. Deshalb spazierten viele der Gottesdienstbesucherinnen und –besucher nach dem Gottesdienst hinunter zum Dorfplatz, um noch ein wenig zusammenzusitzen.

Freundlich wurden die Gäste im Restaurant begrüsst und äusserst aufmerksam bedient. Dabei kam man schnell auch mit Leuten auch aus den Reihen der katholischen Mitchristen näher ins Gespräch. Wie gut, dass es heute diese Gräben zwischen Reformierten und Katholischen kaum mehr gibt, welche jahrhundertelang das Klima vergiftet hatten.


Am 23. August wird der bekannte Journalist und Nahostkenner Erich Gysling zum Thema "Brennpunkt Nahost" sprechen. Der Anlass findet um 19.00 Uhr im evang. Kirchgemeindehaus Oberuzwil statt.

Am 30. August gibt es zu diesem Thema einen weiteren Bildungsabend mit Dr. Bernd Ruhe, Theologe, und Kirchenrätin Isabelle Müller-Stewens - beide aus Mörschwil - werden sich mit den Flüchtlingsströmen in den betroffenen Staaten befassen, dies unter dem Titel "Fluchtlinien -Biblische Geschichten von Migration und Heimatlosigkeit", diesmal in der Unterkirche der Galluskirche, ebenfalls um 19.00 Uhr.


Gallus-Pfarrei Oberuzwil

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil

Lied, aber ohne sichtbaren Peter Reber

Peter Reber - Jede brucht sy Insel und andere...

Text zu "Jede brucht sy Insel"

Kovive Schweiz

Sieger Köder

Pizzeria Romeo


<br>Ingrid Krucker zeigte in ihren gehaltvollen Worten auf, worauf es ankommt, wenn man nach einem Tiefpunkt wieder Hoffnung schöpfen will.

Ingrid Krucker zeigte in ihren gehaltvollen Worten auf, worauf es ankommt, wenn man nach einem Tiefpunkt wieder Hoffnung schöpfen will.

<br>Die Fürbitten waren ganz auf den Zustand der heutigen Welt und deren Bedürfnisse ausgerichtet.

Die Fürbitten waren ganz auf den Zustand der heutigen Welt und deren Bedürfnisse ausgerichtet.

<br>Im Restaurant ROMEA am Dorfplatz...

Im Restaurant ROMEA am Dorfplatz...

<br>...kam man sich bei eifrigen Gesprächen näher.

...kam man sich bei eifrigen Gesprächen näher.