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Wil: 13.11.2017
Die Aussichten für die nähere Zukunft sind wenig verheissungsvoll mit dem Zerschlagen des bisherigen Knotens Wil.
Die Aussichten für die nähere Zukunft sind wenig verheissungsvoll mit dem Zerschlagen des bisherigen Knotens Wil.

SBB liefern keine Zahlen
An der Hauptversammlung der IG Oeffentlicher Verkehr (IG OeV) Region Wil im Hof zu Wil stand Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen, Red und Antwort.
Freddy Kugler
Als „manchmal etwas aufsässig und unbequem“ bezeichnete Patrick Ruggli anlässlich ihrer Hauptversammlung die IG OeV Region Wil mit einem Augenzwinkern. An Fragen an den Leiter des Amtes für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen mangelte es nicht. Urs K. Scheller, rühriger Präsident der Interessengemeinschaft mit derzeit über 200 Mitgliedern, ging in seinem Jahresbericht auf zahlreiche ungelöste Probleme des öffentlichen Verkehrs in Wil und Umgebung ein.

Priorität hatte für den IG-Präsidenten im vergangenen Vereinsjahr das Aufarbeiten der leider wenig erfreulichen Auswirkungen des SBB-Ausbauschrittes 2019, an dem aufgrund der sehr langfristigen Planung auch die Petition mit gegen 12‘000 Unterschriften nicht rütteln konnte. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 wird Wil im Fernverkehr mit teilweise stark veraltetem Rollmaterial ohne Niederflureinstieg bedient. Abgesehen von einer Verbindung am frühen Morgen, kann die Bundeshauptstadt nur noch mit Umsteigen erreicht werden.

Knoten Wil war ein Zufallsprodukt
Die Aussichten sind auch für die nähere Zukunft wenig verheissungsvoll. Durch das Zerschlagen des bisherigen Knotens Wil werden die Passagiere der Bahnlinien von Norden (Weinfelden) und Süden (Toggenburg) sowie der Regionalbusse ab dem grossen Fahrplanwechsel Ende 2018 beim Umsteigen in Wil teilweise überlange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. „Für die SBB existierte der Knoten Wil nie. Er war ein reines Zufallsprodukt“, stellt Urs K. Scheller ernüchtert fest.

Viertelstundentakt beim Ortsbus Wil
Als erfreulich wertet der IG-Präsident die Einführung des Viertelstunden-Taktes von Montag bis Freitag bei den Wiler Ortsbussen ab dem Fahrplanwechsel vom Dezember 2018. Davon ausgenommen ist die Linie 705 (Bahnhof – Bildfeld – Himmelrich), wo die Frequenzen nach wie vor ungenügend sind. Der Kostendeckungsgrad des Wiler Stadtbussystems beläuft sich derzeit – bei einer Zielvorgabe von 40 Prozent – auf 34 Prozent.

„Ohne Visionen kein Fortschritt“
Als positiv stuft Urs K. Scheller auch die neue Regionalbus-Linie 736 Eschlikon – Sirnach – Münchwilen – St. Margarethen ein. Als Vision sieht er eine Ringlinie rund um Wil. Um diese realisieren zu können, müsste die Linie 736 via Tobel – Braunau – Wuppenau nach Zuzwil verlängert, und die Linie 761 (Bazenheid – Dietschwil) Richtung Osten nach Jonschwil und Richtung Westen nach Oberwangen ausgebaut werden. „Ohne Visionen und Utopien gibt es keinen Fortschritt“, hält der IG-Präsident fest.

Missstände und Vorschläge melden
Urs K. Scheller ruft die IG-Mitglieder und alle Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel auf, Missstände oder Vorschläge der IG Oev zu melden und damit zu einem attraktiven, gut funktionierenden öffentlichen Verkehr in der Region beizutragen. „Dafür sind wir da. Wir verfolgen jede, prima vista noch so verwegen erscheinende Idee“, verspricht der engagierte Präsident. Aktuar Roman Appius vertritt die Meinung, dass die IG ihre Zähne noch vermehrt zeigen sollte.

Bescheidener Jahresbeitrag
Die Traktanden der IG wurden zügig abgehandelt. Kassier Luc Kauf präsentierte eine Jahresrechnung, die mit einem kleinen Gewinn abschloss. Als neuer Vertreter von Wilen wurde für die zurücktretende Ruth Bischof Stefan Rohrer in den Vorstand gewählt. Der Jahresbeitrag wird beim bescheidenen Betrag von zehn Franken belassen.

Jammern auf hohem Niveau
Die grösste Aufmerksamkeit zog erwartungsgemäss Gastreferent Patrick Ruggli auf sich. Das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr war in den letzten Jahren mehrmals in den Bannstrahl der Kritik der Interessengemeinschaft geraten. Eloquent und kompetent ging der Amtsleiter aus Rapperswil-Jona auch auf heisse Fragen ein. Einleitend bemerkte er, dass er in Wil „ein Jammern auf hohem Niveau“ feststelle. Für die Unzufriedenheit am Knoten Wil, eine Folge des zukünftigen Taktverkehrs des Güterverkehrs, zeigte Ruggli durchaus Verständnis.

Fragezeichen um die Auslastung des St. Galler Sprinters
Auf den eigenwirtschaftlich betriebenen Fernverkehr, bei dem die SBB eine Monopolstellung haben, hat das Amt für öffentlichen Verkehr nur sehr beschränkt Einfluss. Ein Dorn im Auge ist vielen Bahnbenützern in Gemeinden wie Wil, Uzwil, Flawil und Gossau der St. Galler Sprinter, der seit Dezember 2015 ohne Halt von St. Gallen nach Winterthur bzw. vice versa verkehrt. Nur zu gerne würden verschiedene Kreise mehr über die oft magere Auslastung erfahren. „Wir bekommen von den SBB leider keine Zahlen zum Fernverkehr und können somit auch nicht reagieren“, bedauert Patrick Ruggli, der sein Amt vor zweieinhalb Jahren angetreten hat.

Kostendeckungsgrad von 54 Prozent
Das siebenköpfige Team des Amts für öffentlichen Verkehr beschäftigt sich prioritär mit der Bestellung und Finanzierung des öffentlichen Verkehrs im ganzen Kanton sowie in den einzelnen Regionen und Gemeinden. Der Kostendeckungsgrad im Kanton St. Gallen beläuft sich derzeit auf etwas mehr als 54 Prozent. Das Amt für öffentlichen Verkehr entscheidet bei der Bahn im Regionalverkehr über die Häufigkeit der Verbindungen, kann aber auf die Fahrplangestaltung keinen direkten Einfluss nehmen. Beim Busverkehr dagegen kann das Amt für öffentlichen Verkehr direkt Einfluss auf die gesamte Fahrplangestaltung ausüben.

Neues Rollmaterial mit Niederflureinstieg
Der Fahrplanwechsel vom Dezember 2018 hat auf die Region Wil einschneidende Auswirkungen. Patrick Ruggli betont, dass es für die Fahrgäste auch Verbesserungen gebe. Stündlich wird der Interregio mit Halt in Wil mit den neuen Doppelstockzügen mit mehr Platz und Niederflureinstieg verkehren. Neu werden die Züge Wil – Zürich einen zusätzlichen Halt in Zürich-Oerlikon einschalten. Die S12 wird von Winterthur nach Wil verlängert, womit eine direkte Verbindung von Wil nach Zürich-Stadelhofen mit neuen Doppelstockzügen mit Niederflureinstieg geschaffen wird. Die S1 der Regionalbahn Thurbo Wil – St. Gallen wird ab Dezember des kommenden Jahres im Halbstundentakt verkehren.

Fazit: Das mühsame Einsteigen in veraltetes Rollmaterial hat in einem Jahr ein Ende. Punktuellen Verbesserungen stehen Verschlechterungen gegenüber. Der IG OeV Wil wird die Arbeit mit Bestimmtheit nicht ausgehen.

Weitere Informationen: www.igoevwil.ch
Der engagierte IG-Präsident Urs K. Scheller (links) und Aktuar Roman Appius.<br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br>
Der engagierte IG-Präsident Urs K. Scheller (links) und Aktuar Roman Appius.





















IG-Präsident Urs K. Scheller bedankt sich bei Patrick Ruggli für die ausführlichen Informationen zu aktuellen öV-Herausforderungen. (ganz rechts).<br><br><br>
IG-Präsident Urs K. Scheller bedankt sich bei Patrick Ruggli für die ausführlichen Informationen zu aktuellen öV-Herausforderungen. (ganz rechts).




Zu den Teilnehmenden der HV zählten auch Kantonsrat Erwin Böhi (3. v.l.), Stadtrat Daniel Stutz (rechts hinten) und Stadtparlamentarier Luc Kauf (rechts vorne). Ganz vorne im Bild Patrick Ruggli.
Zu den Teilnehmenden der HV zählten auch Kantonsrat Erwin Böhi (3. v.l.), Stadtrat Daniel Stutz (rechts hinten) und Stadtparlamentarier Luc Kauf (rechts vorne). Ganz vorne im Bild Patrick Ruggli.

Als Vertreter der Gemeinde Wilen folgt im Vorstand auf Ruth Bischof Stefan Rohrer
Als Vertreter der Gemeinde Wilen folgt im Vorstand auf Ruth Bischof Stefan Rohrer

Vorne im Bild: Nationalrätin Barbara Gysi (links) und Stadtparlamentarierin Marianne Mettler als aufmerksame Zuhörerinnen.
Vorne im Bild: Nationalrätin Barbara Gysi (links) und Stadtparlamentarierin Marianne Mettler als aufmerksame Zuhörerinnen.