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Wil: 14.11.2017
Der Organisator der CVP60+-Veranstaltungen, Fredy Rüegg überreichte der Referentin Yvonne Gilli ein Blumenbukett<br>
Der Organisator der CVP60+-Veranstaltungen, Fredy Rüegg überreichte der Referentin Yvonne Gilli ein Blumenbukett


Informationen im elektronischen Patientendossier
Das Forum CVP 60+ lud zu einem aufschlussreichen Vortrag über das EPD ein.
Ernst Inauen
Im Rahmen der Bildungsvortragsreihe der CVP 60+ beleuchtete die Wiler Ärztin Dr. med. Yvonne Gilli die Auswirkungen des elektronischen Patientendossiers (EPD) und seine Vor- und Nachteile.

Das regionale Forum CVP 60+ griff erneut ein aktuelles Thema auf, welches auch bei der älteren Generation auf ein grosses Echo stiess. Fredy Rüegg, Mitorganisator der Vortragsreihe konnte im Gewölbekeller des Hof zu Wil eine grosse Anzahl interessierter Personen begrüssen, die sich von einer kompetenten Referentin über die Auswirkungen des neuen elektronischen Patientendossiers aufklären liessen. Er stellte Yvonne Gilli vor, die neben ihrer Tätigkeit als praktizierende Ärztin in Wil im Zentralvorstand FMH für den Bereich eHealth (elektronische Gesundheitsdienste) zuständig ist. Das Thema ist insofern topaktuell, weil seit dem 15. April 2017 das neue Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPD) in Kraft ist. Es wurde vom Parlament mit grossem Mehr bestätigt. Somit soll nun die elektronische Daten-Vernetzung auch im Gesundheitswesen Einzug halten.

Definition und Zweck
Das elektronische Patientendossier ist eine Sammlung persönlicher Daten des Patienten/der Patientin. Diese Dokumente enthalten behandlungsrelevante Informationen wie zum Beispiel Austrittsberichte des Spitals, Pflegeberichte der Spitex, Röntgenbilder, Impfausweise oder Rezepte für die Apotheke. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verspricht sich durch das elektronische Patientendossier eine Steigerung der Qualität der medizinischen Behandlung, eine verbesserte Patientensicherheit sowie eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. „Die Gesundheitsinformationen sollen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. So ist ein sofortiger Zugriff auf behandlungsrelevante Daten durch andere Gesundheitsfachpersonen möglich“, betonte Yvonne Gilli. Patienten können allenfalls auch eigene Daten wie Brillenrezepte oder Blutdruckwerte im EPD speichern.

Auftrag von Bund und Kanton
Die Referentin gab einen Überblick über die Aufgaben der Kompetenz- und Koordinationsstelle eHealth Suisse. „Die eHealth Suisse erarbeitete im Auftrag des Bundes einen Leitfaden für Gesundheitsfachpersonen, mit dem Verantwortliche für die Aus- und Weiterbildung angesprochen werden “. Das EPD seien etwa ab Mitte 2018 verfügbar. Bis 2020 sollten Gesundheitsfachpersonen in den Spitälern und ab 2022 jene in Pflegeheimen in der Lage sein, die EPD zu lesen. Alle anderen Personen und Patienten könnten sich am Projekt freiwillig beteiligen, informierte Yvonne Gilli. Auch für die Hausärzte sei es nicht obligatorisch, wäre jedoch sinnvoll. Der Zugang sei allerdings nicht ganz einfach. Zur Eröffnung eines EPD sei aus Sicherheitsgründen eine elektronische Identität notwendig, verbunden mit der persönlichen AHV-Nummer. Die Patienten könnten den gewünschten Personen den Zugriff auf ihre Daten erlauben.

Sicherheit im Vordergrund
Bei vielen Ärzten habe die elektronische Datenerfassung bereits die handschriftliche abgelöst, glaubt die Referentin. Das erlaube auch den Zugriff auf die Informationen durch andere Fachpersonen, jedoch nur mit dem Einverständnis des Patienten. Bei medizinischen Notfällen sei ein Zugriff auf Dokumente im EPD auch ohne Zustimmung erlaubt. Eine laufende Krankenakte des Arztes komme nicht voll ins EPD. Es sei eine heikle Aufgabe, die relevanten Daten in der richtigen Sprache ins Dossier zu integrieren, räumte sie ein. Der Datenaustausch zwischen Ärzten erfolge verschlüsselt. Der Patient könne auch selber persönliche Daten (z.B. Blutdruck, Brillenrezepte o.a.) in das Dossier einbringen. Bezüglich der Sicherheit gab Yvonne Gilli bekannt, dass die gesetzlichen Vorschriften des Bundes sehr streng seien. So werde jeder EPD-Anbieter geprüft, zertifiziert und kontrolliert. Alle Zugriffe auf das Dossier seien automatisch protokolliert, somit könne der Patient Einsicht nehmen, wer Dokumente speichert oder anschaut. Eine Berechtigung sei in verschiedenen Vertraulichkeitsstufen wählbar.

Diskussionen ausgelöst
Die Patienten könnten auch eine Vertrauensperson (Gesundheitsfachperson, Familienmitglied, Freund) mit der Verwaltung ihre EPD beauftragen. Betreffend Kostenbeteiligung sagte Yvonne Gilli, dass der Bund für das Projekt lediglich eine Anschubfinanzierung in Aussicht stelle. Spitäler, Heime und Hausärzte müssten ihre IT-Investitionen selber tragen. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) gestalte das Projekt EPD aktiv mit. Eine Informationsbroschüre über das EPD sei anfangs 2018 zu erwarten, bestätigte die Referentin. Im Vergleich mit den Nachbarstaaten sei die Schweiz auf einem hohen Level. Die Informationstechnik sei allgemein ein grosser Wachstumsbereich.

Mit ihrem informativen, spannenden Vortrag verstand es Yvonne Gilli, den aufmerksam Zuhörenden einen Überblick über das teilweise umstrittene und noch nicht ganz ausgereifte Thema zu verschaffen. Während ihren Ausführungen und nach dem Referat beantwortete sie zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Beim anschliessenden Apéro wurde rege über die aktuellen Informationen diskutiert.

Fredy Rüegg stellte die Referentin vor
Fredy Rüegg stellte die Referentin vor

Yvonne Gilli informierte über das EPD
Yvonne Gilli informierte über das EPD

Die Ausführungen stiessen auf grosses Interesse
Die Ausführungen stiessen auf grosses Interesse

Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer
Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer