iwp logo infowilplus.ch  
Orte
Spezial
Wil: 14.11.2017
Die 22er übergeben dem Damenteam einen Check über 3000 Franken (v.l.): Oliver Senn, Victor Baumann, Peter Hirter, Marcel Herzog, Trainer des Damenteams und 22er-Mitglied und Walter Suter; (sitzend v.l.): Julia Hagen, 22er-Obmann Rodolfo Vettiger und Nereyda Trevino.
Die 22er übergeben dem Damenteam einen Check über 3000 Franken (v.l.): Oliver Senn, Victor Baumann, Peter Hirter, Marcel Herzog, Trainer des Damenteams und 22er-Mitglied und Walter Suter; (sitzend v.l.): Julia Hagen, 22er-Obmann Rodolfo Vettiger und Nereyda Trevino.

„Es ist ein brutal spannendes Abenteuer“
Für das Trainerteam und die Frauschaft ist der Ligaerhalt das Ziel.
Hermann Rüegg
Mit der Finnin Leine Nummi (25), der Mexikanerin Nereyda Trevino (26) und der Vorarlbergerin Julia Hagen (29) spielen in den Reihen des NLB Damenteams des EC Wil drei "Eisbärinnen" aus dem Ausland, welche nun auch die erwarteten Leistungsträgerinnen beim Aufsteiger Wil sind.

Unterschiedlicher könnten aber die Biographien der drei Girls nicht sein. Zwei von ihnen, Julia und Nereyda sowie ihr Trainer Marcel Herzog waren zu Gast beim Club22, dem Förderverein des EC Wil. Vom Club22 gab es auch einen Check für das Team, um die grössten finanziellen Engpässe etwas zu lindern. Für das Trainerteam und die Frauschaft ist das klare Saisonziel den Ligaerhalt zu sichern, das heisst die Playoffs der besten Acht zu erreichen.

Warum darf ich nicht arbeiten?
Der Mexikanische Eishockeyverband möchte 2022 an den Olympischen Spielen in Peking eine Mannschaft stellen. Aus diesem Grund suchte er Hockeytalente, ermunterte diese nach Kanada, in die USA oder Europa zu gehen, um sich in Teams das nötige Rüstzeug zu holen.

So erreichte auch ein Telefonat aus Mexiko Marcel Herzog in Wil, dessen Damenteam gerade aus der 1. Liga in die NLB aufgestiegen war. "Weshalb gerade ich und der EC Wil, weiss ich eigentlich nicht. Es kamen aber Kontakte zustande und so stand Nereyda eines Tages, nur mit einer grossen Hockey-Sporttasche mit dem Nötigsten und dem Willen in Wil den Eishockeysport noch besser zu lernen, auf dem Flughafen in Kloten.

Bereits zur Leaderin aufgeschlossen
Dass die mit einem abgeschlossenen Chemiestudium ausgestattete Mexianerin sportlich einiges drauf hat, bewies sie in den bisherigen Partien mit dem EC Wil, wo sie bereits zu den Leaderinnen zählt.

"Obwohl sie eher klein und schlank ist, ist die in Mexiko Erfolgreiche aus der Sparte Speedskating stammende Eishockeyspielerin der 'Pitbull' der Mannschaft und gibt keinen Puck kampflos her," so Trainer Marcel Herzog. Aus Zweikämpfen sei es meistens sie, die als Siegerin das Spiel weiter lanciere.

Beschäftigung unmöglich
Nach wie vor nicht verstehen könne Nereyda, dass sie als unbescholtene Bürgerin in der Schweiz nicht irgend etwas arbeiten dürfe, um ihren finanziellen Unterhat selber zu bestreiten, um auch so der Mannschaft zu helfen. Marcel Herzog: "Uns fehlt ganz einfach das Geld, um sie mit einem Mindestlohn als Profispielerin aus dem Nicht EU-Raum anzustellen.

Wir können und müssen dafür sorgen, dass sie hier versichert ist, hier wohnen und etwas essen kann und da sind wir auf kleine Gönner angewiesen." Hand zu dieser einvernehmlichen Lösung bot das Migrationsamt Thurgau. Aus St.Gallen kam ein klares Nein.

Es ist brutal toll in Wil
Auch für die Vorarlbergerin Julia Hagen ist der EC Wil ein sportliches Abenteuer. "Ich überlegte mir lange, ob ich das Angebot annehmen soll um mich eine Liga höher als in Lustenau zu behaupten. Es hat sich aber gelohnt und es ist echt brutal lässig hier in Wil. Die Kindergärtnerin aus dem Vorarlberg, hat zwar keine finanziellen Engpässe, fährt aber viermal wöchentlich zum Training und zu den Spielen von Altach nach Wil, natürlich auch sie ohne jegliche Entschädigung.

"Ich habe einfach Spass am Eishockeyspiel und fühle mich brutal wohl bei den Wiler Bärinnen. Es geht mir um die Freude am Sport und nicht ums Geld." Sie gehört inzwischen zu den Topskorerinnen beim EC Wil und in der Liga. "Es wäre toll, wenn noch mehr Zuschauer unsere Spiele besuchen würden, denn wir geben alles für unsere sportliche Leidenschaft und den EC Wil", so Julia Hagen.

Als EU-Sportlerin darf, im Gegensatz zur Mexikanerin, die Finnin Leine Nummi in der Schweiz arbeiten und ihren Unterhalt selber verdienen. Sie arbeitet in der Firma Immoclean ihres Trainers Marcel Herzog.

Kampf um jeden Franken
Für Trainer und Teamchef Marcel Herzog ist die Organisation des Spielbetriebes schon fast ein Fulltime-Ehrenamtsjob. Dank dem Entgegenkommen und der Freude an ihrem Sport ist es möglich, dass das Abenteuer NLB funktioniert. "Unser Ziel ist der Ligaerhalt, das heisst das Erreichen der Playoffs. Im Moment sind wir auf einem solchen Platz und die Aussichten sind gut, dass wir es schaffen können", so Herzog.

Nach wie vor kämpft Herzog um jeden Franken, um den Trainings- Spielbetrieb mit Reisen in der ganzen Schweiz zu generieren. Alle Spielerinnen ziehen da mit und bezahlen sehr viel aus dem eignen Sack. "Es waren wohl gegen die hundert Stunden Aufwand mit Ämtern, damit unsere Mexikanerin legitim in der Schweiz spielen kann. Dies kostet Kraft und Ausdauer, stellt aber auch die Frage nach der Verhältnismässigkeit. Sie will doch ganz einfach ihren Lieblingsport ausüben, Erfahrungen sammeln und wenn irgendwie möglich selber finanziell dazu beitragen. Nereyda muss so knapp durch, dass ihr Menüplan fast täglich sehr einseitig aus Spätzli in verschiedenen Variationen besteht", schmunzelt Herzog vielsagend.
Für die Vorarlbergerin Julia Hagen ist der EC Wil ein interessantes sportliches Abenteuer.
Für die Vorarlbergerin Julia Hagen ist der EC Wil ein interessantes sportliches Abenteuer.

Dass die Mexianerin Nereyda Trevino sportlich einiges drauf hat, hat sie in den bisherigen Partien mit dem EC Wil bereits bewiesen.
Dass die Mexianerin Nereyda Trevino sportlich einiges drauf hat, hat sie in den bisherigen Partien mit dem EC Wil bereits bewiesen.