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Niederuzwil: 26.11.2017
An der Fassade sind umfangreiche Sanierungen vorgenommen und die Läden neu gestrichen worden.
An der Fassade sind umfangreiche Sanierungen vorgenommen und die Läden neu gestrichen worden.

Andrang im renovierten Pfarrhaus
Das katholische Pfarrhaus in Niederuzwil ist für 1,4 Millionen Franken renoviert worden.
Cecilia Hess
Am Sonntag feierte die Christkönigspfarrei ihr Kirchenfest. Damit ging auch das Kirchenjahr zu Ende. Einen Neuanfang hat es hingegen im Pfarrhaus gegeben. Die Seelsorgenden und die Pfarreisekretärinnen sind vom Provisorium im Pfarreiheim zurück ins Pfarrhaus gezügelt. Nach dem Festgottesdienst stand das renovierte Pfarrhaus zur Besichtigung offen.

Es hat sich einiges im Pfarrhaus verändert. Es ist quasi zurück zu seinem Ursprung geführt worden. 1875 war die Villa gebaut worden. Der Industrielle Johann Rudolf Moser-Naef – ein Schwiegersohn des Industriepioniers Mathias Naef – hatte von 1875 bis 1893 darin gewohnt und gearbeitet. Nach rund neunmonatiger Renovationsarbeit ist der für Uzwil geschichtlich bedeutende Bau ein Bijou geworden. Innen und aussen ist darauf geachtet worden, den ursprünglichen Charakter zu bewahren und vor allem wieder zurückzuholen. Dort, wo Spannteppiche und Novilon-Beläge lagen, gefallen die ursprünglichen, handwerklich eindrücklich gearbeiteten Holzböden. Die Räume im Parterre wurden neu verteilt.

Räume entrümpeln
Die neuen Räume im Pfarrhaus gaben Klaus Gremminger im Festgottesdienst die Inspiration, über Lebensräume nachzudenken und um Räume in sich selber. Hie und da sei es auch hier nötig, zu renovieren, Veraltetes zu entsorgen, zu entrümpeln und Schätze zu entdecken. Eine Entdeckung war im Gottesdienst die «Missa brevis» des zeitgenössischen Komponisten Jacob de Haan. Ein Blechbläserensemble begleitete den Kirchenchor Niederuzwil, der unter der Leitung von Arne Müller steht.

Einige Schätze sind auch im Pfarrhaus ans Licht gekommen. Nebst den schönen Holzböden sind die Terrazzoböden freigelegt worden und eine Türe, deren Maserung aufgemalt worden war. Im Korridor im Parterre war ein Sandsteinboden in grau-schwarzer Musterung während Jahrzehnten unter einem Spannteppich versteckt worden. Wegen der wertvollen Holzböden und der bezugsbereiten, geputzten Wohnung im ersten Stock bekamen alle Besucherinnen und Besucher am Sonntag Schuhüberzieher, um durch die Räume zu gehen.

Trennendes Glas
Vom Eingang an der Bahnhofstrasse, der über eine Treppe mit schönem Geländer erreicht wird, tritt man direkt ins offene Sekretariat. Wie sich dies während der kalten Jahreszeit auswirken wird, werden die beiden Sekretärinnen Béatrice Frischknecht und Patricia Osterwalder in ein paar Monaten sagen können. Links vom Sekretariat ist neu ein Sitzungszimmer eingerichtet; abgetrennt durch eine Glaswand mit Glastüre. In diesen Raum wird von nun an ein Glaskreuz hängen, geschaffen vom Uzwiler Glaskünstler Georges Radzik. Es wurde im Gottesdienst von Pfarrer Bernhard Sohmer gesegnet. Eine weitere Glastüre trennt die rückwärtigen Büros vom öffentlichen Teil vorne. Das Pfarrhaus steht unter Denkmalschutz. «Sie hat bei der Farbwahl an der Fassade und in den Räumen entscheidend mitgewirkt», erklärte Roland Lüthy den Besuchenden. Als Kirchenverwaltungsrat arbeitete er in der Baukommission entscheidend mit.

Die RLC Architekten AG in Rheineck hat die Renovation geplant und die Arbeiten koordiniert. Andreas Fritsche, Bauführer und Projektleiter, war ebenfalls vor Ort und gab in der Wohnung Auskunft oder stellte sich der Kritik. Vor allem die Frauen schauten mit einem kritischen Blick auf die Einrichtung und überlegten ganz praktisch. So gab die freistehende Badewanne auf dem schönen Kassettenboden zur Diskussion Anlass. Da müsse wohl sehr sorgfältig aus dem Bad gestiegen werden und die Brause dürfte ein Dekorationselement bleiben, waren sich die Frauen einig. Und in der Küche diskutierten Frauen und Männer. Und auch da gab es kritische Anmerkungen.

Freundliche Fassade
Das Pfarrhaus erstrahlt für alle sichtbar natürlich auch von aussen. Fensterbänke, Fensterstürze und Friesen unterhalb der Fenster sind aus Sandstein. Spezialisten haben sie ausgebessert oder ersetzt. Die ursprünglichen Fensterläden sind teilweise repariert und in einem leuchtenden Grün gestrichen worden. «Es brauchte besondere Mittel und mehr Einsatz, um die alte Farbe zu entfernen, was etwas mehr Kosten verursachte», informierte Roland Lüthy. Sämtliche Fenster wurden ersetzt, wobei auf den ursprünglichen Stil geachtet worden ist, was sich auch in den Griffen zeigt.

Während des Baus sind drei Besonderheiten aufgetaucht. Hinter einer Wand ist ein Stück ehemalige dunkelbraune, strukturierte Textiltapete hervorgekommen, hinter einer Regalrückwand die bereits erwähnte Türe mit aufgemalter Maserung, die neu lasiert im Sekretariat den Blick auf sich zieht. Und schliesslich waren Zeitungen aus der Zeit um 1900 eine Entdeckung. «Wir freuen uns darüber, was aus dem Haus herausgeholt worden ist», freut sich der Kirchenverwaltungsrat. Die budgetierten Kosten von 1,4 Millionen Franken konnten eingehalten werden. Wie viel die Denkmalpflege an die Renovation bezahlen wird, wird vermutlich erst im Sommer 2018 bekannt sein.
Die Holzböden in der ehemaligen Fabrikantenwohnung gefielen den Besuchenden am Sonntag.
Die Holzböden in der ehemaligen Fabrikantenwohnung gefielen den Besuchenden am Sonntag.

Das Sekretariat ist offen. Rechts die alte Türe, gegenüber das Sitzungszimmer mit Glaswand.<br>
Das Sekretariat ist offen. Rechts die alte Türe, gegenüber das Sitzungszimmer mit Glaswand.


In dieses Büro wird nächste Woche Pater Justin Mat einziehen. Der Steyler Missionar ergänzt das Pastoralteam.<br>
In dieses Büro wird nächste Woche Pater Justin Mat einziehen. Der Steyler Missionar ergänzt das Pastoralteam.


Roland Lüthy, Kirchenverwaltungsrat und Mitglied der Baukommission stand Rede und Antwort.
Roland Lüthy, Kirchenverwaltungsrat und Mitglied der Baukommission stand Rede und Antwort.

So sieht das zweite Badezimmer in der renovierten Wohnung jetzt aus.
So sieht das zweite Badezimmer in der renovierten Wohnung jetzt aus.

Am Zügeltag hatte Kirchenverwaltungsrat Pius Böhi für die technische Einrichtung alle Hände voll zu tun.<br>
Am Zügeltag hatte Kirchenverwaltungsrat Pius Böhi für die technische Einrichtung alle Hände voll zu tun.


Andreas Fritsche, Bauleiter und Projektleiter der RLC Architekten AG in Rheineck.
Andreas Fritsche, Bauleiter und Projektleiter der RLC Architekten AG in Rheineck.

Durch eine Glastüre ist der Büroteil vom Eingangsbereich getrennt. Der Gang dient als Gemeinschaftsraum.
Durch eine Glastüre ist der Büroteil vom Eingangsbereich getrennt. Der Gang dient als Gemeinschaftsraum.

In der Küche der Wohnung im ersten Stock inspizierten auch Männer die Einrichtung.
In der Küche der Wohnung im ersten Stock inspizierten auch Männer die Einrichtung.

So sah das Sekretariat vor dem Abbruch der Wand aus. Die Kästen links und rechts blieben erhalten.
So sah das Sekretariat vor dem Abbruch der Wand aus. Die Kästen links und rechts blieben erhalten.

Die Badewanne auf dem schönen Holzboden sorgte bei den Frauen für Diskussion.
Die Badewanne auf dem schönen Holzboden sorgte bei den Frauen für Diskussion.

So sah das Badezimmer vor der Renovation aus. Es war vor rund 30 Jahren renoviert worden.
So sah das Badezimmer vor der Renovation aus. Es war vor rund 30 Jahren renoviert worden.

Das Glaskreuz, geschaffen vom Uzwiler Glaskünstler Georges Radzik zum Abschluss der Renovation.
Das Glaskreuz, geschaffen vom Uzwiler Glaskünstler Georges Radzik zum Abschluss der Renovation.