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Oberuzwil: 15.02.2017
<br>So sieht neu die ethische, religiöse und soziale Bildung an der Volkschule im Kanton St.Gallen aus.

So sieht neu die ethische, religiöse und soziale Bildung an der Volkschule im Kanton St.Gallen aus.

<br>Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe haben im neuen Lehrplan ausgedient, neu gibt es drei Zyklen.

Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe haben im neuen Lehrplan ausgedient, neu gibt es drei Zyklen.

Grossaufmarsch interessierter Eltern
Lehrplan 21 - Neuausrichtung des Religionsunterrichts
Annelies Seelhofer-Brunner
Ab dem neuen Schuljahr 2017/2018 wird der Religionsunterricht unter neuen Vorzeichen angeboten. Um diese neuen Begriffe zu erklären, luden Verantwortliche aus den Oberuzwiler Kirchgemeinden und Schuleinheiten mit ihren Schulleitungen zu einem stündigen Informationsanlass ins evangelische Kirchgemeindehaus ein. Der Saal platzte fast aus allen Nähten, so viele Eltern wünschten Aufklärung über die Neuerungen. Im Kanton St.Gallen bleibt der Religionsunterricht weiterhin Bestandteil des Stundenplans der Volksschule. Dieser wird durch das neue Fach "ERG" ergänzt, welches für alle Kinder obligatorisch ist.

Vorbereitungsteam
Während des letzten Semesters haben sich vier Personen aus den hiesigen Kirchen und Schulleitungen ganz besonders mit den neuen Vorgaben des Lehrplans 21 im Hinblick auf die religiöse Erziehung der Oberuzwiler Schülerinnen und Schüler befasst. Begrüsst wurden die rund hundert Interessierten von Diakon Peter Schwager aus Jonschwil. Corinne Hörler ist Schulleiterin in Bichwil und vor allem in organisatorischer Hinsicht von den Neuerungen betroffen. Sie informierte über die unterschiedlichen Anmeldemöglichkeiten. Priska Ziegler, Pastoralassistentin in Bichwil und Oberuzwil, führte als Mitglied der katholischen Kirche in die Grundbegriffe ein.

Und Brigitte Heule, im Seelsorgeteam der evangelisch-reformierten Kirche Oberuzwil Jonschwil für das Ressort "Familie und Kind" verantwortlich und im Ressort "Religionsunterricht" mitarbeitend, stand bei Fragen Red und Antwort. Sie bedankte sich vorgängig beim Vorbereitungsteam herzlich für die gute Zusammenarbeit über alle konfessionellen und geografischen „Grenzen“ hinweg, gehören doch Oberuzwil, Niederglatt, Bichwil und in einem Teilbereich auch Jonschwil zum Angebotsradius.

Eigene Erinnerungen an den Religionsunterricht
Mit der Aufforderung zu einem kleinen persönlichen Austausch mit andern Personen begann Corinne Hörler ihre Einführung in die neue Struktur des künftigen Religionsunterrichts an den St.Galler Schulen. Sofort schwoll der Schallpegel an, ein reger Dialog entwickelte sich. Für manche Kinder war dieses Fach früher oft der Ort für das Ausprobieren, wie viel es hier wohl leiden möge. Man spürte in dieser kurzen Sequenz, dass der Religionsunterricht aber auch heute noch ein Thema ist. Doch die Gesellschaft hat sich verändert, die Klassen sind heterogener, vielfältiger geworden. Dem wird mit der Neuaufgleisung dieses Faches Rechnung getragen.

Neue Einteilung in Zyklen
Hiess es bis jetzt „Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe“, so werden diese Begriffe neu in Zyklen eingeteilt. Zyklus 1 umfasst die beiden Kindergartenjahre sowie die 1. und zweite Klasse. Zum Zyklus 2 gehören die 3. – 6. Klassen. Die Oberstufe wird neu als Zyklus 3 bezeichnet.

Gründe für den Wechsel
Schon seit längerer Zeit wird an der Volksschule der IKB – der interkonfessionelle Bibelunterricht – angeboten. Dieser wurde allerdings nie von allen besucht, da in der Volksschule ganz unterschiedliche Kulturen und religiöse Ausrichtungen zusammenkommen. Man hat deshalb eine Form gesucht, die für alle Kinder einer Klasse Verbindlichkeit haben soll. Das neue Konzept ruht auf vier Säulen. Drei dieser Komponenten sind innerhalb des regulären Stundenplans angesiedelt, die vierte Säule betrifft den ausserschulischen, der Katechese zugehörigen Teil.

Neue Begriffe: ERG, RU
ERG – Ethik, Religionen, Gemeinschaft – heisst neu ein Schulfach, welches für alle Schülerinnen und Schüler obligatorisch sein wird, ungeachtet der religiösen Ausrichtung. Es wird gleichwertig von der Schule selber oder von kirchlicher Seite her angeboten. Unterrichtet wird entweder von Lehrkräften der Volksschule – „ERG Schule“ – oder von kirchlichen Fachlehrpersonen – „ERG Kirchen“. Dieses Fach ist ein Teilbereich der neuen Fächergruppe Natur-Mensch-Gemeinschaft, abgekürzt NMG, welche im neuen Lehrplan so angeboten werden wird.

RU bedeutet „Religionsunterricht“ und wird weiterhin aus christlicher Perspektive gestaltet. Er soll das Wesen des christlichen Lebens vermitteln, vor allem auch eine persönliche Beziehung zu Gott. Dieser Unterricht wird in Oberuzwil innerhalb des schulischen Stundenplans - wenn immer möglich auf konfessioneller Basis - angeboten. Hier finden auch Vorbereitungen auf die je eigenen rituellen Feiern wie 1.Kommunion, Einführung des Abendmahls oder Besonderheiten von kirchlichen Festen ihren Platz. Wer in der Landeskirche Steuern zahlt, ist automatisch für den Religionsunterricht angemeldet. Da die Glaubensfreiheit jedoch zu den persönlichen Grundrechten gehört, kann ein Kind von diesem Unterricht auch abgemeldet werden.

Ziele im Fach ERG
In diesem Fach lernen Schülerinnen und Schüler andere Religionen und deren wichtigste Inhalte kennen. Sie erfahren, welchen Einfluss diese Denkweisen auf die Gesellschaft haben. Kindern und Jugendlichen wird zudem aufzuzeigen versucht, welchen Einfluss ihr Handeln auf das Zusammenleben der ganzen Gesellschaft hat. Die Inhalte der Lektionen müssen so gestaltet sein, dass es keine Rolle spielt, welchen weltanschaulichen Hintergrund die Kinder mitbringen. Indoktrination hat hier keinen Platz. Heute gibt es in einer Klasse sehr religiös geprägte Kinder neben solchen ohne jeden Bezug, dazu auch Kinder aus anderen Religionen. Sie alle sollen im neuen Fach mit den gleichen Grundwerten bekanntgemacht werden, was auch den Respekt vor andern Kulturen und Religionen beinhaltet.

„ERG Schule“ oder „ERG Kirchen“ haben punkto Inhalt genau die gleichen Vorgaben. Die Vertiefung kann im Fach „ERG Kirchen“ durch eine biblische, im Fach „ERG Schule“ möglicherweise eher durch irgendeine passende Geschichte untermauert werden. Die kirchliche Seite hat in ihrem Brief an alle Eltern empfohlen, die Kinder während der ganzen Schulzeit im Fach „ERG Kirchen“ anzumelden, da dieses Fach etwas mehr aus christlicher Perspektive angeboten werde.

Ausnahmefall Oberstufe, neu Zyklus 3
Das Fach „Religionsunterricht – RU“ wird an der Oberstufe nicht mehr angeboten. Deshalb müssen Jugendliche, welche konfirmiert werden möchten, in der Oberstufe zwingend „ERG Kirchen“ besuchen. Ein Wechsel zu „ERG Schule“ ist hier nicht möglich, das hat die Synode der reformierten Kirche St.Gallen so bestimmt. Auch die katholische Kirche empfiehlt ihren Mitgliedern, die Kinder in der Oberstufe in das Fach „ERG Kirchen“ zu schicken, dies im Hinblick auf die Firmung mit 18 Jahren.

Ausserschulische Angebote – Katechese
Nebst den schulischen Angeboten von ERG und RU gibt es unzählige Aktivitäten ausserhalb des Stundenplans, welche auf biblisch fundierten Aussagen aufbauen. Da gibt es die Jungschar, welche in Oberuzwil viele Möglichkeiten zu Spiel und Spass, aber auch zu biblischen Geschichten bietet. In den Frühlingsferien werden seit vielen Jahren von einem motivierten Team ökumenische Kindertage angeboten. Auch hier kommt ein biblisches Thema zum Tragen. Für die Kleinen gibt es ausserdem spezielle Kinderfeiern, es gibt den Ministrantendienst, das Sternsingen und noch vieles mehr. Alle kirchlich angebotenen „Events“ haben einen spirituellen Hintergrund. Auf den Homepages der einzelnen Kirchgemeinden finden Interessierte alle Angebote ihrer religiösen Ausrichtung aufgelistet.

Informationsmodus
Die Eltern wurden in der Zwischenzeit per Brief ihrer Kirchgemeinde sowie der Schule über das neue Konzept ab dem Schuljahr 2017/2018 informiert. An der Oberstufe hat dies die Schulleitung getan, da ERG im Zyklus 3 ein Wahlfach ist und besucht werden muss, egal ob als „ERG Schule“ oder „ERG Kirchen“ – mit den Einschränkungen für Jugendliche, die konfirmiert werden wollen, wie bereits beschrieben. Im Kindergarten gibt es noch keinen eigentlichen Religionsunterricht, in der ersten Klasse wird mit einer Lektion begonnen, in der zweiten Klasse sind dafür zwei Lektionen eingeplant.

Bis zum 22. Februar müssen die Kinder für die gewünschten Unterrichtsangebote angemeldet sein. Dies gibt den Verantwortlichen genügend Zeit, sich auf die Neuerungen vorzubereiten.

Wie sollen Eltern wählen?
Grössere Kinder und vor allem natürlich Jugendliche werden sinnvollerweise in die Auswahl des richtigen Unterrichtsgefässes einbezogen. Ab der dritten Klasse muss zwischen „ERG Schule“ und „ERG Kirchen“ gewählt werden. Diese Wahl kann einem niemand abnehmen. An den zuständigen Stundenplanverantwortlichen liegt es danach, eine sinnvolle Einteilung machen zu können.

Logistische Herausforderung
Die Einführung des Fachs ERG stellt die Stundenplanverantwortlichen vor erhebliche logistische Herausforderungen. Es braucht erstens passende und in ausreichender Zahl vorhandene Schulräume, dazu motivierte und für dieses Fach gerüstete Fachlehrpersonen. Die Zukunft wird zeigen, wie sich alle elterlichen Wünsche unter einen Hut bringen lassen. Dass Schule und Kirchen am gleichen Strick ziehen, vereinfacht die ganze Sache aber doch auch wieder. Man spricht miteinander, das erleichtert die Information und beugt Missverständnissen vor.

Viele Fragen
Die anschliessende Fragerunde zeigte, dass es auch nach dieser Information noch Klärungsbedarf gibt. Bei einem kleinen Apéro gab es deshalb Gelegenheit, mit den vor Ort anwesenden Fachlehrpersonen und den Schulleitungen allfällige Bedenken anzubringen oder Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. Das grosse Interesse machte deutlich, dass religiöse Bildung auch heute bewegt.

Sicher wird einige Zeit nach Einführung der neuen Strukturen eine Überprüfung von Wirksamkeit und Akzeptanz vorgenommen werden. So können allfällige Schwachstellen nachtariert und ausgemerzt werden. Die Stossrichtung ist aber klar: Die Volksschule hat den Auftrag, allgemein verbindliche Werte für ein gutes Miteinander innerhalb der hiesigen Gesellschaft zu vermitteln.


Unter den folgenden Links können je nach persönlicher Ausrichtung weitergehende Informationen zum ganzen Fachbereich ERG und Religionsunterricht nachgelesen werden.

Gemeinde Oberuzwil Homepage

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil

Katholische Kirchgemeinde Oberuzwil-Bichwil

Katholische Kirche Uzwil und Umgebung

Seelsorge-Einheit Magdenau

Katholische Kirchgemeinde Jonschwil

Schulen Oberuzwil

Evangelisch-reformierte Kantonalkirche St.Gallen

Unter dem folgenden Link gibt es ganz viele weiterführende Informationen zu Entstehungsgeschichte und Ausgestaltung des künftigen Religionsunterrichts an St.Galler Schulen.

Fachstelle Katechese und Religionsunterricht – kurz fakaru - Homepage


<br>Das ist die künftige Stundentafel des religiösen Unterrichts.

Das ist die künftige Stundentafel des religiösen Unterrichts.

<br>Das Vorbereitungsteam war über den riesigen Ansturm hocherfreut. von links: Corinnne Hörler, Schulleiterin in Bichwil;  Priska Ziegler, Pastoralassistentin Bichwil und Oberuzwil; Brigitte Heule, Sozialdiakonin der evang. Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil und Diakon Peter Schwager aus Jonschwil für die dortige kath. Pfarrei St.Martin. Er begrüsste auch zu Beginn die vielen Interessierten.

Das Vorbereitungsteam war über den riesigen Ansturm hocherfreut. von links: Corinnne Hörler, Schulleiterin in Bichwil; Priska Ziegler, Pastoralassistentin Bichwil und Oberuzwil; Brigitte Heule, Sozialdiakonin der evang. Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil und Diakon Peter Schwager aus Jonschwil für die dortige kath. Pfarrei St.Martin. Er begrüsste auch zu Beginn die vielen Interessierten.

<br>Priska Ziegler, Pastoralassistentin, zuständig für die kath. Kirchgemeinden Oberuzwil und Bichwil, stellte die neue Ausrichtung des Religionsunterrichts samt dem neuen Begriff ERG vor.

Priska Ziegler, Pastoralassistentin, zuständig für die kath. Kirchgemeinden Oberuzwil und Bichwil, stellte die neue Ausrichtung des Religionsunterrichts samt dem neuen Begriff ERG vor.

<br>Schulleiterin Corinne Hörler erklärte die organisatorischen Abläufe, vertiefte aber auch das bereits Gehörte.

Schulleiterin Corinne Hörler erklärte die organisatorischen Abläufe, vertiefte aber auch das bereits Gehörte.

<br>Die heutigen Schulklassen haben unterschiedlich sozialisierte Kinder in ihren Reihen, darauf nimmt das neue Fach ERG Rücksicht.

Die heutigen Schulklassen haben unterschiedlich sozialisierte Kinder in ihren Reihen, darauf nimmt das neue Fach ERG Rücksicht.

<br>Brigitte Heule stellte die verschiedenen ausserschulischen Angebote vor und nahm zu Fragen Stellung.

Brigitte Heule stellte die verschiedenen ausserschulischen Angebote vor und nahm zu Fragen Stellung.

<br>Es gab etliche Fragen zur Oberstufe - oder neu Zyklus 3 - weil die evangelische Kirchensynode hier den Besuch von "ERG Kirchen" für Konfirmationswillige als verbindlich erklärt hat. Hier war der evangelische Pfarrer René Schärer direkt angesprochen.

Es gab etliche Fragen zur Oberstufe - oder neu Zyklus 3 - weil die evangelische Kirchensynode hier den Besuch von "ERG Kirchen" für Konfirmationswillige als verbindlich erklärt hat. Hier war der evangelische Pfarrer René Schärer direkt angesprochen.

<br>Volksschulleiter Gallus Rieger und Regula Linder, Schulleiterin der Primarschule Oberuzwil, nahmen die Bichwiler Schulleiterin Corinne Hörler beim Apéro in ihre Mitte.

Volksschulleiter Gallus Rieger und Regula Linder, Schulleiterin der Primarschule Oberuzwil, nahmen die Bichwiler Schulleiterin Corinne Hörler beim Apéro in ihre Mitte.

<br>Überall wurde nach den verschiedenen Informationen eifrig diskutiert. Hier stellt sich die kirchliche Fachlehrperson Elisabeth Waespe den Fragen von Anita und Michel Müglich aus Bichwil.

Überall wurde nach den verschiedenen Informationen eifrig diskutiert. Hier stellt sich die kirchliche Fachlehrperson Elisabeth Waespe den Fragen von Anita und Michel Müglich aus Bichwil.