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Flawil: 15.04.2018
Eiger, Mönch und Jungfrau aus einer nicht gewohnten Ansicht.<br>
Eiger, Mönch und Jungfrau aus einer nicht gewohnten Ansicht.


Im Aletschgebiet, ein Unesco-Weltkulturerbe.<br>
Im Aletschgebiet, ein Unesco-Weltkulturerbe.


Beim Bergsteigen ist die eigene Erfahrung das Wichtigste
Vor jeder Besteigung gilt der Besuch dem Bergsteigerfriedhof.
Franz Wismer
Beta-Nachmittag im katholischen Pfarreiheim. Der Autor und Bergsteiger Samuel Hügli, ursprünglich aus dem Bernbiet, war am Mittwoch 11. April 2018 zu Gast. Der Referent, mit Jahrgang 1933 lebt heute in Zürich. Er hat in der Schweiz alle 48 Viertausender bestiegen und verfasste 2002 ein Bergbuch. Der Funke seiner Begeisterung für die Berge ist mit seinem anekdotischen Dia-Vortrag wohl zum letzthintersten Besucher des Nachmittags übergesprungen.

Margrit Schildknecht begrüsste die grosse Schar der Gäste im Namen des Teams und gab das Mikrofon bald dem Referenten weiter.

Berge als Vorhof zum Paradies
Der Berner, der im Seeland aufwuchs, und sich als Feinmechaniker ausbildete, später 40 Jahre im Führerstand bei den SBB arbeitete, hat einen reichen Schatz an Erfahrungen und eine grenzenlose Liebe zu den Bergen. Jedem, der es hören will, sagt er: „Die Berge sind der Vorhof zum Paradies“, und diese Haltung vertritt der pensionierte Lokführer heute noch nach sehr vielen Touren in die Berge.

Die Gefahren in den Bergen nicht unterschätzt
Hügli bereicherte seinen Vortrag mit unzähligen Anekdoten, die er locker erzählte. Zum Beispiel von Zuhause bei seiner Ehefrau: „So muss ich schweigen, wenn ich im Unrecht bin und wenn ich im Recht bin darf ich schweigen“. Bei den schönen Bildern, die Hügli als Dias zeigte, wusste er immer eine Geschichte oder eine Gegebenheit zu berichten. So habe er, immer wenn er auf das Matterhorn gestiegen sei, den Bergfriedhof in Zermatt vorgängig besucht und an die vier tödlich verunglückten Erstbesteiger gedacht sowie an die vielen vielen Opfer, die der Berg gefordert habe.

Der erfahrene Bergsteiger machte auf die Gefahren im Einzelnen aufmerksam, die es zu berücksichtigen gäbe, wenn man auf einen Gipfel steige. Er selbst packe seine Sachen an Hand einer Checkliste doppelt und getrennt ein, um gewisse Unwägbarkeiten auszuschliessen. Eine Fehleinschätzung machen viele Berggänger, wenn sie zu spät aufbrechen. Laut der letzten Statistik sind sechs von zehn Tourengängern zu spät aufgebrochen.

Geschichten und Ereignisse die das Leben schrieb
Als 14-Jähriger hatte Sämi sein Schlüsselerlebnis. Er schwänzte eine 1.-Mai-Kundgebung und radelte ganz alleine auf den 1607 hohen Chasseral, was allerdings bei seinem Vater nicht gut ankam. Hügli machte von jeder Exkursion Notizen. Darauf konnte er nach seiner Pensionierung zurückgreifen. Sie bildeten die Grundlage für das im Jahr 2002 erschienene Buch: „Alle Viertausender der Schweiz.“

Beim Bergsteigen ist die eigene Erfahrung fast das Wichtigste. Zum Beispiel kommt das Sprichwort, jemanden „an der langen oder kurzen Leine zu halten“, nirgends so wortwörtlich wie bei den Seilschaften zum Tragen. Falsche Abstände können für die ganze Gruppe tödlich ausgehen. Richtige jedoch retten meistens Leben, falls eine prekäre Situation eintritt.

Gefahren durch auflösenden Permafrost
Wenn die Bergsteiger nicht am Mittag am Ziel sind, also die Sonne im Zenit steht, dürfte der Rückweg mit grösseren Gefahren verbunden sein. Sei das durch die Routenwahl, die nicht mehr tragenden Schneebrücken über Spalten oder ähnliche Situationen. Durchs Auftauen des Permafrostes wird dieses Hobby von Tag zu Tag gefährlicher. Das Wasser dringt in neu aufgetaute Spalten und der sich wiederholende Frost sprengt den Felsen.

Im Sommer 2001 sind vier seiner Kollegen – alles erfahrene Bergsteiger – am Lauteraarhorn ums Leben gekommen. Sie haben keinen Fehler gemacht, aber sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Er benötigte ganze elf Jahre bis seine Bedenken kleiner wurden und sein Verlangen für die glückseligen Momente in den Bergen - überwogen.
Samuel Hügli ein Autor und Bergsteiger mit immensen Erfahrungen rund um die Schweizer Berge.<br>
Samuel Hügli ein Autor und Bergsteiger mit immensen Erfahrungen rund um die Schweizer Berge.


Zinalrothorn, 4221 Meter, auf dem Nordgrat.<br>
Zinalrothorn, 4221 Meter, auf dem Nordgrat.


Verdankung des Referenten durch Margrit Schildknecht.<br>
Verdankung des Referenten durch Margrit Schildknecht.


Es kamen viele Seniorinnen und Senioren an den Anlass und warteten gespannt auf die Erlebnisse des Bergsteigers.
Es kamen viele Seniorinnen und Senioren an den Anlass und warteten gespannt auf die Erlebnisse des Bergsteigers.

Diese Bergdohle sieht es immer wieder von ihren Artgenossen weg in Gipfelnähe und Einsamkeit. Der Referent sieht Ähnlichkeiten in seinem Drang zu Exkursionen.
Diese Bergdohle sieht es immer wieder von ihren Artgenossen weg in Gipfelnähe und Einsamkeit. Der Referent sieht Ähnlichkeiten in seinem Drang zu Exkursionen.

Das Wetter in den Bergen kann blitzschnell innerhalb von wenigen Minuten umschlagen. Besonders am Nachmittag ist die Neigung grösser. Dann sind Orientierungshilfen wie Karte, Kompass und Höhenmesser gefragt.
Das Wetter in den Bergen kann blitzschnell innerhalb von wenigen Minuten umschlagen. Besonders am Nachmittag ist die Neigung grösser. Dann sind Orientierungshilfen wie Karte, Kompass und Höhenmesser gefragt.