Do, 25.01.2007
Jahrgang 8, Nr. 2582
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Gemeindepräsident Lucas Keel informierte offen und sachlich.
Baubiologe Isi Bättig warnte vor negativen Auswirkungen.
Martin Hohl vom Amt für Umweltschutz sprach über die rechtlichen Fakten.
Grosses Interesse der Bevölkerung für das Thema Mobilfunkantenne.

Mobilfunkantennen werfen emotionale Wellen
In der Gemeinde Niederhelfenschwil sollte eine Informationsveranstaltung über die Wirkungen von Natel-Antennen besseres Wissen verschaffen.

26.02.05, Ernst Inauen
Mobilfunk ist ein Thema, das die Menschen bewegt und Anlass zu emotionalen Diskussionen gibt. Im Sinne einer transparenten Information lud der Gemeinderat Niederhelfenschwil die Bevölkerung zu einer Informationsveranstaltung ein. Neben Gemeindepräsident Lucas Keel klärten die Gastreferenten Martin Hohl und Isi Bättig über das Spannungsfeld der umstrittenen Mobilfunkantennen auf.

Der Informationsabend stiess auf ausserordentlich grosses Interesse, nachdem auch eine Einsprechergruppe mit einem Flugblatt zur Teilnahme aufrief. Weit über 150 Frauen und Männer liessen sich vom neuen Gemeindepräsidenten und von den beiden kompetenten Fachleuten über die Problematik des aktuellen Themas aufklären. Nach den Vorträgen der drei Referenten entwickelte sich eine rege Diskussion, in der auch einige Emotionen aufkamen.

Vorwiegend negative Stellungnahmen liessen die Ängste und Bedenken eines Grossteils der Bevölkerung erahnen. Zustimmende Voten für die Erstellung von Mobilfunkantennen waren keine zu hören. Nach rund drei Stunden setzte Gemeindepräsident Lucas Keel einen Schlusspunkt hinter die rege Diskussion. Allerdings kann der Gemeinderat aus der Versammlung keine eindeutigen Rückschlüsse ziehen, blieben doch deutliche Meinungsäusserungen der Mehrheit über das weitere Vorgehen des Gemeinderats aus.

Fundierte Aufklärung
Lucas Keel befasste sich in den ersten sechs Wochen seiner Amtszeit als Gemeindeoberhaupt vertieft mit der Thematik. Er erklärte den aktuellen Stand und die gesetzlichen Grundlagen. Er verwies auf das hängige Einspracheverfahren gegen die geplanten Antennenstandorte. Die Rekursentscheide des kantonalen Baudepartements werden in den nächsten Tagen erwartet. Orange reichte vor zwei respektive drei Jahren Baugesuche für Natel-Antennen im Hofrain Niederhelfenschwil und an der Buchenstrasse in Lenggenwil ein.

Gegen beide Standorte gingen zahlreiche Einsprachen ein. Der Gemeinderat lehnte die Gesuche aus verschiedenen Gründen ab. Orange legte gegen den ablehnenden Entscheid Rekurs ein, der nun seit geraumer Zeit von den kantonalen Stellen behandelt wird. Der Gemeindepräsident stellte die Zusammenhänge dar und beleuchtete die Standpunkte. Ebenso sprach er die Begründungen der Einsprecher im noch offenen Rekursverfahren an. Mit Blick auf die die Nachbargemeinden stellte Keel unterschiedliche Strategien fest.

Wenig Spielraum
Martin Hohl, Leiter der Fachstelle für nichtionisierende Strahlung des Amtes für Umweltschutz unterstützte den Gemeindepräsidenten in der Feststellung, dass die Gemeinde kaum einen Spielraum habe, wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden. Das eidgenössische Raumplanungsgesetz und das Umweltschutzgesetz würden die Möglichkeiten klar regeln. Die Planung des Mobilfunknetzes sei Sache der Betreiber, die interessiert seien, die Bevölkerung flächendeckend zu erreichen. „Wenn der geplante Standort einer Antenne zonenkonform ist und sich die Grundbesitzer und der Betreiber einig sind, kann die Realisierung der Antennenplatzierung kaum verhindert werden“, machte Hohl klar.

Er erläuterte die aktuellen Immissionsgrenzwerte für nichtionisierende Strahlung. Der Anlagegrenzwert liegt bei 4 V/m. Antennen ausserhalb der Bauzone seien nur in besonderen Fällen möglich, wenn funktechnisch keine anderen Standorte in Frage kommen. Martin Hohl gab einige Tipps, wie die Einwirkungen der Strahlungen beim Gebrauch von Handys minimiert werden können: nur kurz telefonieren, SMS statt telefonieren, bei schlechtem Empfang nicht telefonieren, Freisprechanlagen benutzen, beim telefonieren Handy bei den Ohren wechseln.

Negative Einflüsse
Der Baubiologe Isi Bättig zeigte die negativen Einflüsse von Strahlungen auf Mensch und Tier auf. Besonders kleine Kinder, ältere oder kranke Menschen könnten sensibel auf elektromagnetische Telekommunikationsfelder reagieren. „Sie werden mit ihren Antennen nicht glücklich werden und es werden mit Sicherheit weitere folgen“, prophezeite Bättig. Und weiter: “Ein Standort im Dorf ist nie gut, aber das Gesetz hat uns einen Maulkorb angelegt“.
Es seien überwiegend wirtschaftliche Interessen, welche dazu führten. Die Bevölkerung reagiere emotional, weil sie scheinbar diesen Forderungen wehrlos gegenüber stehe.

Der Gemeinderat suchte in der heiklen Standortfrage nach Alternativen. Auf dem gemeindeeigenen Grundstück beim Oberstufenzentrum Sproochbrugg wäre eine Möglichkeit für eine Antenne ausserhalb eines dauerhaft bewohnten Gebietes. Die Abdeckung des Gemeindegebietes wäre befriedigend und die Grenzwerte klar unterschritten. Diesem von den Behörden bevorzugten Standort traten der Schulratspräsident und ein Schulrat vehement entgegen. Es seien noch keine fundierten Erfahrungswerte bezüglich der negativen Einflüsse vorhanden.

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