So, 02.09.2007
Jahrgang 8, Nr. 2802
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Vor der Kulisse des Klosters St.Gallen formierte sich die Gesellschaft zum traditionellen Gruppenbild.
Geselliger Austausch fand an allen Tagen statt.
Die Zunftfahnen der St.Galler Gesellschaft.
Altgeselle Hansueli Diem organisierte mit seinem Team den Grossanlass. Rechts: Internationaler Austausch war gesichert.

In schwarzer Kluft in die Ostschweiz
Zum Himmelfahrtstreffen der rechtschaffenen fremden Handwerksgesellen kamen in Zuckenriet rund 350 reisende oder sesshaft gewordene Mitglieder der Handwerkszunft zusammen.

31.05.2006, Ernst Inauen
Zum ersten Mal war die Schweiz Austragungsort des jährlich stattfinden traditionellen Himmelfahrtstreffens. Das Fest der Handwerksgesellen aus sechs europäischen Ländern fand auf dem Gelände des Landgasthofs Adler statt. Mit einem attraktiven Rahmenprogramm zeigten die Organisatoren den Gästen Sehenswürdigkeiten der Ostschweiz.

Zu einem aussergewöhnlichen Anlass von internationaler Bedeutung kam Zuckenriet in der vergangenen Woche. Die „Gesellschaft der rechtschaffenen fremden Zimmerer und Schieferdeckergesellen zu St.Gallen“ organisierte das Himmelfahrtstreffen der internationalen Handwerkszunft. In der Gesellschaft sind Handwerker des Baugewerbes vereint, welche nach uralter Tradition während drei Jahren und einem Tag in der Fremde ihr Brot verdienten oder noch aktiv auf der Walz sind.

Der Landgasthof Adler in Zuckenriet ist eine der sechs Schweizer Herbergen, wo sich die reisenden Handwerksgesellen treffen können. Hansueli Diem, Hagenbuch, Altgeselle (Vorsitzender) der St.Galler Vereinigung, organisierte mit seinem Team den Grossanlass in Zuckenriet.

Das Treffen mit internationaler Beteiligung sei für das Dorf und die Region Ostschweiz beste Werbung, meinte Diem. Auch der so genannte Herbergsvater Marcel Mettler und seine Gattin Romy bestätigten, dass sich die Gäste durchwegs positiv über die Gastfreundschaft und die reizvolle Gegend äusserten. Die Wirtsleute appellierten vorgängig mit einem Flugblatt an das Verständnis und die Toleranz der Zuckenrieter Bevölkerung für die nicht vermeidbare Lärmbelastung durch die Festivitäten.

Erinnerungen
Am Himmelfahrtstreffen nahmen aktive und ehemalige Wandergesellen der Vereinigung aus Mittel- und Nordeuropa teil. Die deutschen Gesellen stellten neben dem Schweizer Kontingent den grössten Anteil. Im Mittelpunkt standen die Begegnung mit gleichgesinnten Kameraden aus dem Berufsstand und das Auflebenlassen alter Erinnerungen. Ein grosses Festzelt auf dem Parkplatz des Gasthofes und zwei Schlafzelte sowie Stehbars im Freien boten die Infrastruktur für die genügsamen Gesellen. Hauptsächliches Getränk war natürlich das Bier. Für einen guten Boden und deftige Kost sorgte die Küchenmannschaft des renommierten Gasthofs Adler.

Im Adlersaal, wo die Gäste jeweils das Frühstück einnahmen, stellten die Organisatoren eine sehenswerte Sammlung alter Bildertafeln von früheren Treffen in verschiedenen deutschen und andern europäischen Städten aus. Zu den Ausstellungsgegenständen gehörten auch das Stubenschild des Hauses, welches mit 1776 datiert ist, einige Werkzeuge der Zimmerer sowie eine kostbare Lade aus dem Jahr 1692, welche das Museum für Völkerkunde St.Gallen leihweise zur Verfügung stellte.

Empfang durch St.Galler Stadtpräsident
Zum ansprechenden Programm gehörte am Freitag die Exkursion nach St.Gallen. Mit vier modernen Doppelstöckerbussen der Post fuhren die Gesellen und die Begleitpersonen in die Kantonshauptstadt. Vor dem historischen Kloster stellten sie sich zu einem Gesellschaftsbild auf. Nach einem Umzug durch die Stadt empfing Stadtpräsident Franz Hagmann die Gesellschaft. Er habe sich über gute Kenntnisse der Zunftgeschichte seiner Stadt ausgewiesen und habe den Umgang mit den Handwerksgesellen ungezwungen gepflegt, erzählt ein Teilnehmer. Fröhliche, lockere Stimmung herrschte auch beim Gesellenabend im Festzelt.

Ein weiterer Höhepunkt folgte am Samstag. Der Ausflug auf den Säntis beeindruckte vor allem die Flachländer aus Deutschland und Skandinavien und die begleitenden Damen. Leider liess die Witterung zu wünschen übrig, so dass viele auf den Ausflug verzichteten. In der Schaukäserei Stein verfolgten die Exkursions-Teilnehmenden die Herstellung eines typischen Schweizer Produktes.

Traditionen
Eines war den rechtschaffenen fremden Gesellen gemeinsam, sie erschienen zu ihrem Treffen in ihrer schwarzen Kluft mit Schlapphut, Zylinder oder Koks. Auf der schwarzen Ehrbarkeit (eine Art Krawatte) über dem weissen Hemd prangte das metallene, dem Berufsstand entsprechende Zunftwappen. Zur Ausrüstung der Wandergesellen gehören auch der so genannte Stenz, eine natürlich gewundener Wanderstab sowie der Charlottenburger. In diesem sorgfältig gebundenen Stoffbündel sind die notwendigsten Kleiderstücke und Werkzeuge für die Wanderschaft eingepackt.

Die überlieferten Riten und Gebräuche der reisenden Wandergesellen sind vielseitig. So kennt man auch in unserer Region das Klatschen, welches von Zimmerleuten bei Aufrichtfesten gerne demonstriert wird. Bekannt sind auch die Trinkgebräuche der trinkfesten Gesellen, wenn sie sich in den Herbergen treffen.


Mit vier Doppelstock-Bussen fuhr die Gesellschaft nach St.Gallen.
Es gab vieles zu erzählen. Rechts: Altgeselle Hansueli Diem mit einem Charlottenburger und Stenz.
Die kostbare Lade aus dem Jahr 1692 als Ausstellungsobjekt.
Das Stubenschild der St.Galler Gesellschaft (1776).
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