Hilbi Gashi berichtet engagiert und fundiert über seine Erfahrungen. Interessierte Gäste verfolgten die Ausführungen des Referenten.
Gibt es den albanischen Jugendlichen ? Fundierter und aufschlussreicher Vortrag eines Insiders zu einem brisanten Thema.
31.01.2007, Gerhard Kasper Der Referent, Hilbi Gashi, Journalist und Filmemacher, berichtete im Rahmen der Veranstaltungen der Oberen Mühle in Wil aus seiner langjährigen Erfahrung über die Problematik der Integration, vor allem Jugendlicher, aus den Balkanstaaten.
Angeregte Diskussion zwischen Politik und Jugend.
Dorothee Zumstein, ehem. Parlamentspräsidentin und Hans Mehr, Leiter des Vormundschaftsamtes Wil, verfolgen interessiert die Diskussion.
Stadträtin Barbara Gysi, verantwortliche Departementleiterin Soziales, Jugend, Alter.
1967 in Prizren (Kosova) geboren, studierte Gashi Ökonomie in Prishtina und Freiburg. Seit 1988 lebt er in der Schweiz und ist heute Gewerkschaftssekretär, Bereich Migration, bei der UNIA.
Betroffenheit über Gewalt Nicht nur die Schweizer sind schockiert, wenn die Medien über gewalttätige Ausbrüche jugendlicher Albaner berichten – auch die eigenen Landsleute fühlen sich betroffen.
Kritik an den Medien Sobald irgendwo eine Gewalttat irgendwelcher Art geschieht, an der albanische Jugendliche beteiligt sind, wird dies, vor allem in den Massenmedien, tagelang „genüsslich” ausgeschlachtet. Dabei werden scheinbar alle Landsleute über einen Kamm geschoren und in die kriminelle Ecke gedrängt.
Die Opfer werden für Propagandazwecke gewisser politischer Gruppierungen missbraucht.
Spagat zwischen traditioneller Familie und Realität Einerseits sind die Migranten der ersten Generation noch völlig der Tradition verhaftet: So wird beispielsweise der Sexualunterricht an den Schulen als gravierender Tabubruch angesehen. Anderseits wachsen die Jugendlichen der zweiten Generation in einer anderen Realität auf. Dies führt zu irritierendem Identitätsverlust: Wo stehe ich eigentlich? ist die Frage vieler Junger.
Diskrepanz zwischen Politik und Wirtschaft Auf Schlagwörter reduziert, heisst das: Die Politiker sagen „Integriert euch”, die Wirtschaft sagt „Keine ‚...vic‘”, womit generell die Balkanstämmigen gemeint sind. Deren offensichtliche Benachteiligung bei der Stellensuche ist durch objektive, anonymisierte Untersuchungen belegt.
Gashi sieht drei typische Reaktionen. Zuerst Euphorie über die scheinbar besseren Zustände in der Schweiz, dann ernüchternde Resignation infolge der spürbaren Fremdenfeindlichkeit, und schliesslich führt der Frust zum Ausbruch von Gewalt.
Perspektiven Gegenseitige Vorwürfe haben noch nie Probleme gelöst; für die erfolgreiche Integration braucht es immer die Anstrengungen beider Seiten. Besonders bei den Jugendlichen ist der enge, vorurteilslose Kontakt zwischen Eltern/Schülern und Lehrpersonen äusserst wichtig.
Film „Hip-Hop gegen Gewalt” Der Film zeigt das typische, schon als schematisch zu bezeichnende, verachtende und gewalttätige Verhalten zwischen Schweizer Jugendlichen und Albanern, das bis zu blutigen Auseinandersetzungen führt. Endlich gelingt es durch die Überzeugungsarbeit eines Griechen der 2. Generation, die Situation zu entschärfen und zumindest äussere Harmonie wieder herzustellen.
Interessante Diskussion beim Apéro Mit Dragica Rajcic, soziokulturelle Animatorin und Autorin, und Hilbi Gashi, dem Referenten, standen den wissbegierigen Gästen zwei profunde Kenner der Szene Frag und Antwort.