Fr, 02.03.2007
Jahrgang 8, Nr. 2618
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Mit einem umfassenden Wissen und einer reichen Erfahrung gab Walter Brehm Einblick in die vielschichtigen, fast unlösbaren Probleme im Nahen Osten.
Sogar seine Miene drückte das grosse Engagement für das gebeutelte Palästina aus.
Markus Lehmann vom Bildungsprogramm dankte dem Referenten für die höchst interessanten Ausführungen über eine Region, die täglich in den Medien präsent ist.

Salam, Shalom - Krieg und (kein) Frieden in Nahost.
Walter Brehm referiert im Bildungsprogramm Niederhelfenschwil über das Thema: Krieg und (kein) Frieden in Nahost.

07.02.2007, Vroni Krucker
In einem sehr aufschlussreichen höchst interessanten Referat gab Walter Brehm Einblick in die jahrzehntelange, vielfältige und blutige Geschichte des jüdischen Staates und Palästinas. Seine reiche Erfahrung sowie Verständnis und Einfühlungsvermögen für die gebeutelten Menschen prägten die interessante Stunde.

Als Journalist befasst sich der Referent Walter Brehm täglich mit dem Nahen Osten, den er auch von zahlreichen Reisen nach Israel, Gaza, Westjordanien, Libanon, Syrien Afghanistan und Iran kennt. Er konnte aus langjähriger, intensiver Beobachtung des Geschehens einen fundierten Einblick in die Nahostproblematik vermitteln. „Angst essen Seele auf“, so heisst ein Film von Rainer Werner Fassbinder. Er handelt von einer schwierigen Liebesgeschichte im Spannungsfeld zwischen jüdisch-christlicher und islamischer Kultur.

Bezogen auf Palästina könnte man sagen: „Gewalt essen Seele auf“, erklärte der Referent. Dabei gäbe es allerdings keine Liebes- sondern eine Hassgeschichte von gegenseitiger Ignoranz und Missachtung, sodass sich inzwischen auch Juden und Palästinenser untereinander nach dem Leben trachten. Es sei eine Geschichte, wie Gewalt Menschlichkeit, Kultur und Zivilisation zerstöre und unendlich viel Leid gebracht habe.

Rückgriff in die biblische Zeit
Der Rückgriff, den man hier zu leisten hätte, reiche bis in die biblische Zeit, wo Juden Christus gekreuzigt hätten, und von der Ära der Kreuzzüge bis zur christlich-europäische Schuld am Judentum vom 20. Jahrhundert. Die ferne und nicht so ferne Vergangenheit prägten diesen blutigen Konflikt zwischen Mittelmeer und Walter Brehm.

Die Geschichte Palästinas reiche mit allen Verwirrungen, Schreckensszenarien, Kriegen und Morden vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit – und ein Ziel, eine Lösung liege noch in meilenweiter Ferne. Die Unfähigkeit des monarchisch und nationalstaatlich geprägten Europas vor 1914, die Juden zu integrieren, der erwachende Zionismus als Reaktion auf schlimmste anti-jüdische Ausschreitungen vor allem in Osteuropa, die europäische Kolonial-Arroganz gegenüber den arabischen Völkern und der Nazi-Völkermord seien böse, nicht voneinander zu trennende Paten des Nahostkonfliktes. Der Referent verdeutlichte: „Geblieben ist eines: Palästina / Israel ist ein Land mit zwei Völkern, die sich dieses Land in zwei voneinander unabhängige Staaten teilen müssen. Ungeteilt ist Palästina nur als Massengrab zu haben“.

Angeregte Fragestunde
Wie sehr das unlösbar scheinende Problem jedermann packt, zeigte sich in der angeregten Fragestunde. Fragen nach einer möglichen Einigung, nach Verständnis unter den Religionen und den verschiedenen Gruppierungen wie Hamas und Al Fatah wurden aufgeworfen. Die Einmischung der USA, die Möglichkeiten eines Landes Israel, das nicht einmal eine Verfassung hat, das Verhältnis Christen - Juden, die unmöglich scheinenden Lösung, ein so aufgespaltenes Land zusammenzuführen, die Hypothek Europas durch des Holocaust, die im Bau befindlichen Mauer und vieles mehr wurde zur Sprache gebracht.

In vielen Aussagen verdeutlichte sich die Unsicherheit, vor allem aber auch das Mitleid mit den gebeutelten Menschen und die Angst vor der Zukunft in einer so zerrütteten Welt. Werner Brehm verstand es ausgezeichnet, auch die kleinen Ansätze der Versöhnung, des gegenseitigen Vertrauens hervorzuheben – denn auch das gibt es sowohl in Israel als auch in Palästina. Es sind leider nur ganz winzige Hoffnungsstrahlen, aber wie heisst es doch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Toleranz muss überall wachsen
Zuerst müsse sich die Gesinnung in Europa und Amerika ändern, damit überhaupt etwas Positives bewegt werden könne, erklärte Walter Brehm, wobei er klar betonte, dass die Hypothek Holocaust schwer auf Europa laste und sich immer wieder als Barriere erweise. Kritik gegenüber Israel dürfe nicht sofort als Antisemitismus angesehen werden. Der Satz „Islamismus gleich Terrorismus“ stimme in keiner Weise. Er sei eine Verallgemeinerung, die im zwischenmenschlichen Bereich enormen Schaden anrichte. Jeder Einzelne - in allen Teilen der Welt, auch in unserm Land - sollte mehr Toleranz und Verständnis aufbringen, schliesslich sei der Islam heute die drittgrösste Religion in der Schweiz. Er erachtet es als absolut daneben, wenn in dieser Situation der Bau einer Moschee verhindert wird. Es sollte möglich werden, dass jeder Mensch zu seiner Meinung und Religion stehen und sie vertreten dürfe, ohne dass man ihm daraus einen Strick drehe – letztlich könne nur auf dieser Basis etwas bewegt werden.

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