Würdiger Einstieg in das Jubiläum «100 Jahre evangelische Kirche Degersheim» Der vielseitige Musiker Rudolf Lutz begeisterte mit seinem variationsreichen Orgelkonzert
14.02.2007, Christian Jud Die Organisatoren die das Jubiläumsjahr der evangelischen Kirche in Degersheim in verschiedene Anlässe einbetten, verteilt auf das ganze Jahr, haben mit diesem sehr gut besuchten Orgelkonzert vom vergangenen Sonntagabend die Aufmerksamkeit über die Region hinaus gefunden.
Der St.Galler Organist Rudolf Lutz begeisterte in Degersheim mit seinem sonntäglichen Orgelkonzert.
Dass die 0rgel unvermindert als die Königin der Instrumente gelten darf, dazu braucht es die Organisten die mit ihren Konzerten über den kirchlichen Alltag hinaus diese Königswürde aufzeigen. Zu ihnen reiht sich auch international auf eindrückliche und vielseitige Art Rudolf Lutz, der langjährige Organist an der St.Galler Stadtkirche St.Laurenzen ein.
Immer eine Überraschung «Rudolf Lutz ist uns immer wieder eine Überraschung» sagte Dr.Armin Mühlematter, der frühere langjährige Sekretär des St.Gallisch Kantonalen Gewerbeverbandes, der zusammen mit seiner Gattin Rita mit vielen andern ebenfalls von auswärts den Weg nach Degersheim gefunden hat, im Gespräch mit«Info Wil Plus».
Viele der Konzertbesucher gehören dem von Rudolf Lutz geleiteten Bach-Chor in St.Gallen an. Dass dem so ist, war nicht zuletzt auch aus den kräftigen Stimmen zu erkennen, die am Schluss des Konzertes stehend und machtvoll zum Orgelspiel das Landsgemeindelied gesungen haben.
Nähe zum Publikum Der Organist, Musikpädagoge und Komponist hält als Experte für historische Improvisationspraxis Seminare, gibt Konzerte und hat Aufnahmen unter anderem für Radio DRS und den Südwestfunk eingespielt. Lutz tritt aber auch als Jazzmusiker und als Dulcimer-Spieler mit dem Appenzeller Ensemble «Alpenglühn» auf. Unter anderem führte er mit Andrzej Kowalski Konzerte für Violine und Orgel, aber auch Salonmusik auf. Er komponierte Toscaten und Choralvorspiele für die Orgel.
Auf dem Programm in Degersheim standen Werke von J.S.Bach, César Franck und Felix Mendelssohn, und er liess es sich nicht nehmen, die anwesenden Kinder zusammen mit ihren Eltern mit den Worten zu sich herauf zu bitten:«Die Orgel ist nichts unnahbares und ganz besonders beim näheren Besehen ist sie ein Wunderwerk».
Meister der Improvisation Und dann forderte der berühmte Gast aus St.Gallen die Konzertbesucher auf ihre Musikwünsche im profanen Bereich kund zu tun, machte aber darauf aufmerksam, dass es etwa in Rigoletto Melodien gebe, «die ihr mir zuvor mindestens zweimal vorsingen müsstet». Rigoletto wurde nicht gewünscht und niemand musste vorsingen, dagegen wurde das «Tegerscher Lied» von Fritz Ruch angesprochen, «Lueget vo Bärgen und Tal» von Huber/Kölliker, der«Radetzkymarsch» von Johann Strauss Vater.
Der Organist genoss es sichtlich, die Volkslieder in andere Zeiten zu versetzen, wie es wäre wenn, etwa Mozart den Radetzkymarsch komponiert hätte. Das Landsgemeindelied von J.H.Tobler schloss dann den eindrücklichen Konzertabend ab, an welchem der vielseitige Künstler bewiesen hat, was er zuvor auf die Frage nach den Möglichkeiten der Degersheimer Kirchenorgel sagte:«Sie ist ein königliches Instrument mit ungeahnten Möglichkeiten».