Fr, 02.03.2007
Jahrgang 8, Nr. 2618
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„Höchste Zeit für noch mehr SVP“
An der kürzlichen HV der SVP Kreispartei Wil im Rössli Magdenau kritisierte Kantonsrat Sepp Brunner nicht nur die Linken, auch die Medien ernteten scharfe Kritik.

12.02.2007, Niklaus Jung
Eigentlich startete die Jahresversammlung der SVP Kreispartei im Rössli Magdenau überaus ausgeglichen, Präsident Marcel Hegelbach lobte die Arbeit der Ortsparteien, der Mitgliederzuwachs in einzelnen Ortsparteien sei das Resultat guter Parteiarbeit. Hegelbach’s Einladung von Kantonsrat Sepp Brunner Flawil zu einem Referat liess dann das Blatt wenden. In einem Rundumschlag liess Brunner bei den politischen Gegnern und auch den Medien keinen guten Faden.

Präsident Marcel Hegelbach konnte auch Nationalrat Theophil Pfister begrüssen.
Die Wahlplattform der SVP ganz auf Schweiz eingestellt.
Kantonsrat Sepp Brunner ging mit den Gegnern der SVP hart ins Gericht.
Sozusagen der harte Kern wollte sich Jahresverlauf informieren.
In seinem Jahresbericht wies Kreispräsident Marcel Hegelbach auf die Tatsache hin, dass es der SVP verschiedentlich gelungen sei, die öffentliche Diskussion anzuregen. Dies sei insbesondere beim Thema Bau von Minarett’s gar kantonal gelungen. Der persönliche Kontakt im geselligen Kreis habe auch zur verstärkten Zusammenarbeit beigetragen.

Weitergehend begründete Hegelbach auch seinen Verzicht auf eine Kandidatur in den Nationalrat. Im Sinne es Ausgleichs bei den Kandidaten in der Region sei sein Zurücktreten notwendig geworden.

Ein Dutzend mehr Mitglieder
An der HV der Kreispartei fanden sich zwar nur wenige Mitglieder ein, hingegen konnte der Vorsitzende von einem Mitgliederzuwachs von über 12 Personen berichten. Einzelnen Ortsparteien sei gar die Verdoppelung der Mitglieder gelungen. Da hätten die geselligen Höcks nicht zuletzt beigetragen, die Leute für ein Mitmachen zu bewegen.

Für die Qualität der Partei sei allerdings nicht die Zahl der Mitglieder ausschlaggebend, es müsse auch gelingen SVP Leute in politischen Ämtern zu platzieren. Es spreche derzeit nicht gerade für die SVP, wenn sie von 12 zugeteilten Laienrichterposten nur gerade deren 2 belegen könne. Dennoch könne die Partei für sich beanspruchen, die Öffentlichkeit auf Themen anzusprechen. Die Plakatierung wurde im abgelaufenen Jahr neu überarbeitet, als neuer Plakatchef wurde Rolf Knellwolf aus Jonschwil gewählt.

Die falsche Sozialpolitik
Sepp Brunner kennt man bei der SVP als Politiker, der kein Blatt vor den Mund nimmt und seine Meinung klar heraussagt. In Anbetracht des platzierten Rundumschlages dürfte es allerdings fraglich sein, ob auch die „Eigenen“ diese Form der Kritik goutieren. Brunner startete bei der Überalterung der Gesellschaft, die sinkende Zahl der Erwerbstätigen werde beim derzeit schon grossen Schuldenberg noch neue Probleme ergeben. Die Gesamtschulden von Bund, Kantonen und Gemeinden betragen derzeit 240 Mia Franken, allein der Zinsendienst pro Jahr mache 7 Mio Franken aus, dies bei historisch tiefem Zinssatz.

Nach Brunner ist es die falsch ausgerichtete Sozialpolitik, welche für das Ausbleiben der Kinder verantwortlich ist. „Wir heilten alles nach dem Giesskannenprinzip“, so Brunner. Die SP und andere linke Minderheiten und Randgruppen seien dafür verantwortlich, dass die soziale Wohlfahrt seit Jahrzehnten am stärksten wachse, der Staat finanziere mit der Kreditkarte späterer Generationen.

"Kinderkrippenzunft"
Nach Brunner verursacht man mit dem seit Jahren betriebenen Outsourcing der Kinderbetreuung und Erziehung immer neue soziale Probleme und Kosten. Unter dem Titel Service public, Solidarität und soziales Engagement werde alles begründet. Noch schlimmer sieht Brunner die schleichende Kindererziehung durch den Staat, Brunner nannte es Kinderkrippenzunft, gemeint sind Tagesschulen, Kinderkrippen, Mutterschafts- Versicherung und Bundeskinderzulagen.

Weil man immer mehr Frauen in der Berufswelt engagiere, sei das Ausbleiben von Kindern die logische Folge. Zwischen 1990 und 2000 habe die Zahl der Schweizer Kinder unter sechs Jahren um ein Prozent abgenommen, gleichzeitig sei die Zahl der ausländischen Kinder um 36 Prozent angestiegen. Gesamtschweizerisch betrage der Anteil an Kleinkindern gar 45 Prozent. Der Babyboom könne nicht mit Tagesstrukturen usw erreicht werden, die SVP stehe zwar derzeit noch alleine mit dieser Meinung da. Heute gelte jeder als populistisch, wenn er die wirklichen Sorgen der Bevölkerung aufgreife und beim Namen nenne.

Die vierte politische Macht
Kantonsrat Sepp Brunner gab weiter zu verstehen, dass nicht mehr nur die Linken und Netten gegen die SVP kämpften, auch seitens der Kirchen und den Medien werde die SVP kritisiert. Nach Brunner sind die Medien neben der Legislative, der Exekutive und der Justiz heute die vierte politische Kraft im Lande. Es könne nicht mehr Demokratie sein, wenn Unwissende Bürger mit Hilfe der Medien zur gewollten Entscheidung gebracht werden. Die Mittel dazu seien bekanntlich überaus fragwürdige Umfragen, keiner wisse nämlich wer dazu befragt worden ist. Dennoch sah Brunner den Erfolg für seine Partei in den Medien, die Öffentlichkeitsarbeit müsse professionalisiert werden.

Nach Brunner entscheide die Regierung wie auch das Volk vielfach über Sachen, wovon beide kaum eine Ahnung hätten, da herrsche Manipulation höchsten Grades. Alles und jedes werde von Wirtschaftsexperten und Spezialisten aufbereitet.

Beachtung heisst das Zauberwort
Weil in den Reaktionen der Zeitungen vielfach ehemalige Lehrer, aber wenig Ökonomen sitzten, müsse der eigenen Aufbereitung der Information mehr Beachtung geschenkt werden, so Brunner weiter. Es müsse dafür gesorgt werden, dass die Grundbotschaft selber formuliert werde und zur richtigen Zeit in den Medien erscheine, dies auch in angemessener Sprache. Erkannte Fehler müssten umgehend korrigiert werden.

Drei Thesen nannte Brunner zur Medienpraxis. Die öffentliche Meinung gleiche einem Schlossgespenst, niemand habe es je gesehen, aber alle lassen sich von ihm tyrannisieren. Public relations sei die Kunst, den Teufel mit zwei gesunden Füssen zu fotografieren, eine gewisse Zeit könne man einige Leute zum Narren halten. Die dritte These Brunners geht davon aus, dass nach wie vor breiteste Kreise davon ausgehen, von wirtschaftlich und ideologisch abhängigen Menschen, eine unabhängige Meinung erwarten zu können. Blauäugige Kümmerer, dauerbesorgte Bedenkenträger und aggressive linke Ideologen hätten das Ruder schon längst in der Hand.

Nur mit Wahlerfolgen könne die SVP die wiederkehrend ablehnende Medienlandschaft überwinden, eine erfolgreiche, immer noch wachsende Partei könne nicht totgeschwiegen werden. Abschliessend gab Brunner dennoch Ratschläge, wie mittels schneller öffentlicher Reaktionen auf politische Vorgänge nachhaltiger Erfolg erreicht werde.

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