Zum letzten Mal leitete Heini Brägger die Versammlung der Braunviehzüchter. Am Vorstandstisch von links: Johann Senn, Aktuar Bruno Fritsche, Präsident Heini Brägger, Kassier Martin Arnold.
Führungswechsel bei den Braunviehzüchtern Nach fünfzehn Amtsjahren übergibt Heini Brägger das Präsidium des Braunviehzuchtvereins Niederhelfenschwil an Thomas Niedermann.
19.02.2007, Ernst Inauen Im Mittelpunkt der Hauptversammlung im Landgasthof Adler standen der Rückblick auf das ereignisreiche Jubiläumsjahr und die Wahlen. Neben einem neuen Präsidenten wählten die Mitglieder auch zwei neue Vorstandsmitglieder. Im Anschluss an die Versammlung berichtete Markus Hersche über seine Maturarbeit, die sich mit der Agrarpolitik befasste.
Aktuar Bruno Fritsche überreicht dem scheidenden Präsidenten ein Abschiedsgeschenk.
Die Versammlung wählte neu in den Vorstand, von links: Thomas Niedermann, Felix Jung und Ueli Blättler.
Im vergangenen Jahr konnte der Braunviehzuchtverein Niederhelfenschwil sein 100-jähriges Bestehen feiern. Heini Brägger, der seit fünfzehn Jahren als umsichtiger und initiativer Präsident den Verein führte, wollte die arbeitsintensiven Vorbereitungen für die Jubiläumsanlässe mit seinem gut eingespielten Vorstandsteam noch selber über die Bühne bringen, bevor er das Steuer seinem Nachfolger übergab.
An der Versammlung nahmen 20 Mitglieder teil. Nach den Wahlen würdigten Aktuar Bruno Fritsche und der ehemalige Zuchtbuchführer Johann Senn die grossen Verdienste des scheidenden Präsidenten und seine Teamfähigkeit. Sie überreichten ihm ein wohl verdientes Abschiedsgeschenk.
Ins zweite Jahrhundert Präsident Heini Brägger gedachte nach einem feinen Nachtessen aus der Adlerküche des verstorbenen Ehrenmitglieds Alois Senn. 50 Jahre prägte er als zuverlässiger und sachkundiger Zuchtbuchführer den Braunviehzuchtverein Niederhelfenschwil. Leider konnte er die grossartige Jubiläumsschau nicht mehr erleben.
Die Versammlung wählte den 33-jährigen Thomas Niedermann, Taa-Lenggenwil zum neuen Präsidenten. Er entstammt in dreizehnter Generation einer Lenggenwiler Bauernfamilie. Schon sein Vater und sein Grossvater setzten sich im Vorstand für das Braunvieh ein. Sein Betrieb wurde übrigens vom Verband als bester Niederhelfenschwiler Zuchtbetrieb eingestuft. Nachdem auch der langjährige Vorstandskollege Paul Brühwiler und Kassier Martin Arnold infolge Wegzugs demissionierten, erfuhr das Führungsgremium eine mehrheitliche Blutauffrischung.
Ueli Blättler und Felix Jung ergänzen den Vorstand, in dem Bruno Fritsche und Johann Senn verbleiben. 25 aktive Landwirte mit rund 600 eingetragenen Tieren haben sich in der Gemeinde Niederhelfenschwil der Braunviehzucht verschrieben.
Herausforderungen Im Jahresrückblick liess Heini Brägger das Landwirtschaftsjahr Revue passieren. Es sei von den Wetterkapriolen mit sehr heissen und trockenen, aber auch von sehr regnerischen Perioden beeinflusst worden. Auch auf politischer Ebene habe sich die Landwirtschaft mit grossen Herausforderungen auseinandersetzen müssen. Der Ausstieg aus der Milchkontingentierung oder der zunehmende Wettbewerb im Detailhandel verschärfe die finanzielle Lage der Bauern. „Ich meine, dass die Landwirtschaft ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Preise gesenkt hat.
Nun müssten auch die nachgelagerten Verarbeitungs- Betriebe und der Handel von ihrer Marge etwas abgeben“, bemerkte Brägger. Die Agrarpolitik 2001 sehe eine starke Reduktion der Preisstützung, die Abschaffung der Exportsubvention und eine Halbierung der Mittel zur Marktstützung vor. Die an die Betriebsfläche und den Tierbestand gebundenen Direktzahlungen hätten unerwünschte Folgen, bleibe doch der Wachstumswille auf der Strecke.
Jubiläumsanlässe Der Präsident erwähnte die beiden grossen Anlässe, welche dem Jubiläumsjahr den Stempel aufdrückten. Die Aula Sproochbrugg war Tagungsort der 68. Delegiertenversammlung des St.Galler Braunviehzuchtverbandes. Der organisierende BVZV Niederhelfenschwil erntete für die tadellose Organisation grosses Lob.
Auch die Jubiläumsschau im Herbst wurde zu einer äusserst erfolgreichen Demonstration bäuerlicher Zuchtleistung. Nach anfänglichen Regengüssen bot der Anlass den zahlreichen Zuschauern bei prächtigem Herbstwetter einige attraktive Wettbewerbe. Ebenso entwickelte sich der Schauabend im Festzelt zu einer jubiläumswürdigen Veranstaltung, bei der die Landwirte und nichtbäuerliche Gäste ausgiebig feierten. Heini Brägger dankte den zahlreichen Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz.
Brägger rief seine Züchterkollegen auf, das Wohl des Braunviehs als erstes Ziel anzustreben. „Die Braune Kuh verbindet uns, sie kommt aus unserer Region und gehört zu ihr“.
Hohes Niveau Der ehemalige Zuchtbuchführer Johann Senn bekommt jeweils als Verbindungsmann zum Verband die Resultate der zentral verwalteten Untersuchungen. Er konnte einige Daten bekannt geben, welche Zeugnis vom hohen Niveau des Braunviehbestandes des BVZV Niederhelfenschwil geben. Die im Verein höchste je erzielte Milchleistung von 14'400 Liter meldete Thomas Rutishauser. Alois Senn seinerseits besitzt eine Hochleistungskuh, welche die 100'000 Liter Lebensleistung überschritten hat.
Die vorgeschriebenen Milch-Kontrollen nehmen der so genannte Milchwäger Hans Signer und weitere Funktionäre vor. Ihre Aufgabe besteht in den regelmässigen Kontrollbesuchen bei den Landwirtschaftsbetrieben. Die Milchproben werden in Zug geprüft und die Resultate den Bauern übermittelt.
Maturaarbeit Rund ein halbes Jahr investierte Markus Hersche in seine Maturaarbeit. Er stellte in einem Kurzvortrag die Ergebnisse vor. Leider funktionierte der Beamer nicht, so dass er sich auf die verbale Betrachtung beschränken musste. In seinen interessanten Ausführungen beschrieb er die Agrarpolitik und seine selber durchgeführten Fallstudien.
So untersuchte er die Betriebsstrukturen in einem Klein- und einem Mittelbetrieb und die Auswirkungen der Agrarreform. Er folgerte daraus, dass sich die Produktion von Käseerzeugnissen mit hoher Wertschöpfung gegenüber immer billiger werdender Milch lohne.
Heini Brägger gratuliert Thomas Niedermann zur ehrenvollen Wahl.
Hans Signer trägt als Milchwäger eine grosse Verantwortung.
Infolge Wegzugs nach Bülach musste auch Martin Arnold verabschiedet werden.
Markus Hersche konnte sein Referat leider nicht bildlich unterstützen.