Der Diskussionsabend mit der Bevölkerung lockte rund 100 Leute in den Saal des Oberstufenzentrums Schützengarten.
Gemeindepräsident Cornel Egger konnte eine hohe Identifikation mit der Strategie des Gemeinderates feststellen.
Mit dem Berater Jean Claude Kleiner wurde die Ausgestaltung der Orte wie auch des Zusammenlebens vertieft hinterfragt.
Weltoffen in den Melodien zeigten sich die jungen MusikantInnen der Musikschule Oberuzwil zum Auftakt.
Die Zukunft nicht dem Zufall überlassen Der Oberuzwiler Gemeinderat erreichte ein grosses Interesse seitens der Bevölkerung, die Zukunft der Gemeinde mit bewussten Schritten zu gestalten.
23.02.2007, Niklaus Jung Oberuzwil will sein Leitbild aus dem Jahre 1999 ablösen und den neuen Gegebenheiten anpassen. Der Klausurtagung des Gemeinderates konnte am Donnerstagabend eine Diskussionsrunde mit der Bevölkerung stattfinden, welches die Schwerpunkte der nahen Zukunft sein sollten. Es bestand in vielen Fragen Konsens mit dem Gemeinderat, die Gemeinde Oberuzwil darf durchaus etwas wachsen, eine Fusion mit Uzwil kann man sich vorstellen, sei aber nicht wünschbar.
Für eine weltoffene Haltung plädierten zum Auftakt bereits die jungen MusikerInnen der Oberuzwiler Musikschule mit internationalen Melodien. Gemeindepräsident Cornel Egger gab eingangs der Diskussionsrunde zu verstehen, dass man die Zukunft nicht erkennen könne, man müsse sie erschaffen. Auch der Diskussionsleiter und gemeinderätliche Beraters Jean Claude Kleiner hatte ein visionäres Zitat bereit: „Wer nichts verändern will, verliert auch das, was er bewahren möchte“.
Der Wandel fordert vielfältig Der Diskussionsleiter zeigte zum Einstieg den gesellschaftlichen Wandel in seinen Auswirkungen auf, diesem Wandel müsse sich auch Oberuzwil stellen, wolle man den Standortwettbewerb einerseits gewinnen und das Zusammenleben andererseits auch zukünftig motivierend halten. Beim demografischen Wandel gelte es das Nachlassen bei der Geburtenrate und die gleichzeitige Überalterung der Bevölkerung im Auge zu behalten.
Dies fordere, die Attraktivität des Ortes für junge Familien zu verbessern. Die Statistik zeige, dass der Drang in die grossen Zentren, hauptsächlich Zürich, an Deutlichkeit nicht zu verkennen sei. Während in Zürich die Schülerzahlen kaum abgenommen hätten, sei in der Ostschweiz ein Minus von 20 Prozent feststellbar.
An Hand der Statistik zeigte Kleiner auch auf, dass sich die kinderlosen Haushalte in der Schweiz seit 1970 von 1 Mio auf 2 Mio verdoppelt haben. Auch Ehepaare mit Kindern sanken von 914 000 auf 862'000. Konsensualpaare (Konkubinat etc) mit Kindern wurde im 1970 noch gar nicht registriert, im 2000 zählte man bereits 36'100. Auch Einelternhaushalte stiegen im gleichen Zeitraum von 106'000 auf 161'000.
Der wirtschaftliche Wandel verlangt Massnahmen Kleiner stellte auch beim wirtschaftlichen Wandel eine Konzentration auf den Grossraum Zürich fest. Die Abwanderung von Unternehmen sorge auch für den Verlust von Arbeitsplätzen. So sei Oberuzwil gefordert, die Attraktivität für die ansässigen Betriebe zu erhalten und für neue Unternehmen vorzubereiten.
Auch im schulischen Bereich sei ein Wandel feststellbar, die Einführung von Schulleitungen, die zunehmende Heterogenität und die wachsende Individualisierung forderten heraus. Die Politik sei durch den immer stärker werdenden Standort- und Steuerwettbewerb gefordert, die neue Kantonsverfassung, der laufende Prozess mit dem neuen Finanzausgleich und das neue Fusionsgesetz zeigten bald einmal Wirkung.
Diskussionen zu Grundsatzfragen Mit dem Einstiegsreferat hatte Jean Claude Kleiner den Anwesenden deutlich gemacht, dass sich auch die „heile Welt“ in der Gemeinde Oberuzwil den neuen Gegebenheiten stellen muss, soll die Zukunft nicht verpasst werden. Mit den neuen Gesichtspunkten vor Augen konnten sich die Anwesenden wohl eher von den aktuellen Strukturen gedanklich einmal lösen, um sich für Neues zu öffnen.
Die Fragen in den Diskussionsgruppen gingen vor allem um die zukünftige Ausgestaltung der Wohn- und Lebensqualität in der Gemeinde. Spezifisch sollte auch Klarheit geschaffen werden, welche Wohnmöglichkeiten ältere Menschen zukünftig suchen. Weiteres Thema war die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden und die Frage, wieweit Oberuzwil noch wachsen soll.
Kritisch, meist eher zwischen den Zeilen Die Gemeinderäte setzten sich während einer Stunde in Gruppen mit der Bevölkerung zusammen, um deren Ideen und Schwerpunkte zu erfahren. Die nachfolgende Präsentation im Saal zeigte auf, dass die Bevölkerung in den meisten Punkten den Ideen des Gemeinderates folgen kann. Allerdings dürften die Räte am jeweiligen Tonfall der Diskussionen auch die Sensibilität zu gewissen Themen festgestellt haben.
So können sich die Anwesenden mit einem jährlichen Wachstum von 1 Prozent, das wären rund 50 Personen, durchaus befreunden, allerdings dürfe die Kapazität der Infrastruktur nicht vergessen werden. Skepsis zeigte sich darob, nur noch die Orte Oberuzwil und Bichwil bezüglich Zuwanderung zu fördern und Niederglatt und Wilen eher zu vernachlässigen. Vielmehr sollte man prüfen, den bald einmal eingesetzten Schulbus zu diesen Orten auch für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen und mit zusätzlichen Kursen zu erweitern. Solcherart Attraktivität wäre einem Zuzug von Familien förderlich.
Bauland, Grünflächen und Verkehr Im Zentrum soll der Erhaltung von Grünflächen Beachtung geschenkt werden. Auch wäre die Neugestaltung von Zentrumsbereichen wie Benningerareal und Alti Gerbi wünschenswert, so auch hinsichtlich Kulturförderung. Beim betreuten Wohnen sei ein Bedürfnis feststellbar, die bestehenden Alterswohnungen mit 1-2 Zimmer seien für heutige Verhältnisse zu klein. Bauland für Einfamlienhäuser sei nur noch wenig vorhanden, aber auch Verkehrsfragen kamen zur Sprache wie Tempo 30 und Beruhigungsmassnahmen. Beim Öffentlichen Verkehr seien noch Verbesserungen wünschbar.
Die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, so die Feststellung auch im Publikum, funktioniere bereits in mehreren Bereichen wie der Feuerwehr bereits optimal und dürfe durchaus noch ausgebaut werden. Die Frage über eine Fusion mit Uzwil wurde zweischneidig beantwortet. Man kann sich das zwar vorstellen, aber wünschbar sei es nicht. Natürlich kam auch die Forderung nach weiterer Senkung des Steuerfusses daher, als Teil der Attraktivität. Auch Stellungnahmen zufriedener Gemeindebürger kamen daher, sie seien auch nach Jahrzehnten mit dem Gemeindeleben zufrieden, die Infrastruktur auch bezüglich Einkaufen dürfe sich sehen lassen.
Das letzte Wort oblag dann dem Gemeindepräsidenten, er zeigte sich erfreut über die Reaktionen. Er werde dem Wunsch nach weiteren Diskussionsabenden solcher Art gerne folgen und in nächsten Jahren wieder darauf zurückkommen. Beim nachfolgenden Apero konnte die Diskussion wie auch der Austausch zu den vorgestellten Themen weitergehen.
Die Diskussionsgruppen wurden von den Gemeinderäten geführt, die Resultate stellten sie abschliessend vor.
Beim nachfolgenden Apero konnte der Austausch über das dörfliche Zusammenleben noch vertieft werden.
Dass sich die Welt auch in der Schweiz grafierend verändert, zeigte Jean Claude Kleiner an der Entwicklung der Familienstrukturen auf.