Di, 06.03.2007
Jahrgang 8, Nr. 2622
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Gutgelaunte Vereinsmitglieder geniessen die schöne Dekoration und die gute Stimmung.
Präsidentin Gabi Müller-Stucki und Kassierin Gabi Dobler, ganz chic in Kleidern aus Grossmutters Schrank.
Silvia Vinzenz zum letzten Mal „amtlich“ an der Versammlung.
Nun gilt es ernst!

90 Jahre alt, dennoch jung und spritzig
Nostalgie-Hauptversammlung des Gemeinnützigen Frauenvereins Oberuzwil

25.02.2007, Annelies Seelhofer-Brunner
Jedes Jahr gehört die HV des Gemeinnützigen Frauenvereins Oberuzwil zu den Höhepunkten im Vereinsjahr. Am vergangenen Freitag empfing der Vorstand die angemeldeten Mitglieder in wunderschönen, nostalgischen Kleidern. Das Nachtessen war genau das gleiche wie jenes an der Gründungsversammlung vor 90 Jahren.

Es gibt Institutionen, die alle Modeströmungen überdauern. Zu diesen gehört auch der Gemeinnützige Frauenverein der Schweiz. 1888 wurde diese Vereinigung gegründet. Seit 2004 heisst der Verband nun SGF - Dachverband Schweizerischer Gemeinnütziger Frauen.

Der Grundgedanke ist noch immer der gleiche wie vor 100 Jahren: uneigennützig helfen, wo Not zu lindern ist. Trotz ausgebautem Sozialnetz gibt es noch immer Menschen, die in – oft versteckter – Armut leben. Da kann schon ein Zahnarztbesuch schnell einmal zum Riesenproblem werden.

Attraktives Rahmenprogramm
Die Abhandlung der Traktandenliste ist in jedem Verein ziemlich ähnlich. Es geht um Zahlen, Aufzählung von Aktivitäten und um Personelles. Dies sind alles wichtige Verhandlungspunkte, aber die ganze Sache ist doch ein eher trockenes Gebiet. Deshalb lässt sich der Vereinsvorstand alljährlich etwas einfallen, um ein unterhaltendes Rahmenprogramm einzubauen.

Die Präsidentin, Gabi Müller-Stucki, läutete den Abend mit dem Jubiläumslied des Dachverbandes ein. Da ist vom Säen die Rede, von Hoffnung. So heisst es da in einer Strophe sinngemäss: „Wir möchten dort beistehen und geben, wo es nötig ist. Denn helfen heisst für uns, der Hoffung die Flügel nicht zu nehmen.“

Rückblick auf vergangene Zeiten
Mit einem wehmütigen Rückblick auf eine Modeschau an der MV von 1987 bot Erika Schneider-Haussener Anlass, über die damalige Mode, aber auch die Models aus der Zeit zu staunen. Plötzlich erkannte sich die eine oder andere Frau im Publikum, denn in so einem Verein werden auch da die eigenen Leute eingesetzt. Die Kleider wurden damals nicht weniger professionell vorgestellt als auf den grossen Kleidermessen in Mailand oder Paris.

Alte Fotos, die von Erika Schneider digitalisiert und per Beamer vorgestellt wurden, liessen da und dort ein Raunen vernehmen. Altehrwürdige Oberuzwiler Frauen- Persönlichkeiten waren da zu sehen, von denen die meisten heute kaum mehr leben, aber doch noch teilweise persönlich gekannt wurden.

Vor den anstrengenden Traktanden gab es zur Stärkung das genau gleiche Menü wie vor 90 Jahren – Hörnli und Gehacktes mit Apfelschnitzen, von den Vorstandsfrauen in wunderschönen weissen Rüschenschürzen serviert. Auf den Tischen lagen kunstvoll gefaltete Servietten. Die Tische waren wie immer liebevoll dekoriert, ganz dem Titel „Nostalgie“ angepasst. Diesmal tat dies Rita Högger zum allerletzten Mal.

Nostalgie nach Noten
Dieses Jahr sangen sich die Sängerinnen des Nostalgie-Chörlis aus Griesenberg TG mit alten Schlagern in die Herzen der Frauen. Die Lachmuskeln kamen dabei ebenfalls gebührend zum Einsatz. Was passt denn auch besser zu so einer Versammlung als ein Chor in historischen Kleidern, welcher alte Gassenhauer singt, dazu sketchartige Einlagen gibt und es der Zuhörerschaft schwer macht, nicht mitzusingen? Den wegen Grippe etwas verkleinerten Chörli gelang es jedenfalls ausgezeichnet, heitere Stimmung zu verbreiten und einen Hauch der alten Welt von damals in den Saal zu zaubern.

In zwei Blöcken, vor und nach der Traktandenliste eingeplant, fragte sich da z.B. ein Mann, was denn der Sigismund dafür könne, dass er so schön sei? Das legendäre Träumli mit dem äusserst unruhigen Schläfer auf der Bühne liess ebenfalls Jugendgefühle aufkommen. Und als gar ein Tänzer in Einsteinmaske mit Susi, einer menschgrossen Stoffpuppe „Ich tanze mit dir in den Himmel“ illustrierte und sich dabei durch die Reihen küsste, gab es laute Lacher im Saal. Am Schluss stand „am Himmel es Sternli z’Nacht“ und beendete einen begeistert aufgenommenen Streifzug durch die Lieder der Zwanzigerjahre. Hier zeigten sich auch Generationenunterschiede, denn wer diese Lieder mitsummen konnte, war bestimmt schon etwas älter als Zwanzig…

Vielfältige Vereinstätigkeit
Unglaublich, was im Gemeinnützigen Frauenverein Oberuzwil im Laufe eines Jahres alles geleistet wird. Zum Glück ist die Vorstandsarbeit in Ressorts aufgeteilt, so dass die Präsidentin auch Verantwortung abgeben kann. Ein tolles Team, alles verlässliche, kreative Frauen mit einer sozialen Ader, engagiert sich für die Jugend – Club junger Mütter, Schülerbasteln -, für die Senioren – Altersnachmittage, Ausflüge -, aber auch für die Allgemeinheit.

Erika Schneider berichtete von den Altersnachmittagen, Rita Högger von den Ausflügen und den angebotenen Kursen. Sie zeigte auch zwei Gläser mit sehr unterschiedlichen Formen. Eines hatte der Glasbläser in Wila im Tösstal hergestellt, rund und ästhetisch, das andere zweikammrig, von einer der Frauen selber geblasen. Es muss eben alles gelernt sein!

Ellen Schout betreut das Ressort Soziales und arbeitet da eng mit der Sozialberatung der Gemeinde zusammen. Da kann auch ein kleiner Zustupf schon grosse Not lindern helfen. Und dies ist bestimmt die vornehmste Aufgabe des Vereins. Die Kasse ist sehr gut gefüllt, so dass auch in Zukunft bei Notsituationen schnell geholfen werden kann. Seit einem Jahr versieht Gabi Dobler dieses Amt.

Gabi Müller führte unkompliziert und sympathisch durch die Traktanden, liess auch Raum für ihre Kolleginnen. Der gute Teamgeist im Verein trug bestimmt auch dazu bei, dass der Vorstand zwei Austritte gleich wieder besetzen konnte. Rita Högger und Silvia Vinzenz ziehen sich ins Privatleben zurück, Susanne Ribi-Irminger wird neu den Club junger Mütter vertreten und Mireille Mussak-Voser wird neu Kurse und Ausflüge organisieren.

Gastdelegationen
Die katholische Frauengemeinschaft, mit der viele Anlässe für die Senioren gemeinsam geplant und durchgeführt werden, offerierte den Frauen einen gluschtigen Apéro. Dieser wurde herzlich verdankt. Die Zusammenarbeit klappt vorzüglich, Ideen rund um eine Fusion wurden jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt.

Aus dem Frauenvereins Uzwil hatten sich drei Frauen eingefunden. Sie wurden besonders begrüsst, war ihr Verein doch nach einer unfreiwilligen Pause dank initiativer neuer Frauen wieder auferstanden und setzte so die langjährige Tradition der gegenseitigen Freundschaft fort.

Frau Judith Claude-Müller, Sektionspräsidentin SG/AR, überbrachte Grüsse von der Sektion. Sie spendete viel Lob für den Oberuzwiler Verein und erinnerte daran, dass Zeit zu schenken eines der grössten Geschenke überhaupt sei, etwas, was heute vielfach fehle.

Mit einem ausufernden Dessertbüffet und dem obligaten Schoggilösliverkauf ging eine weitere herzerfrischende Frauenvereins-Hauptversammlung zu Ende. Wer sich eingehender für die Aktivitäten des Vereins interessiert, kann dies schon bald unter der Adresse www.frauenverein-oberuzwil.ch tun, ebenfalls von Erika Schneider eingerichtet und verwaltet.


Kurze Grussbotschaft von Frau Judith Claude-Müller, Präsidentin Sektion SG/AR, rechts davon Ursula Egger-Beetschen, eine der neuen Vorstandsfrauen aus Uzwil.
Der tanzende Einstein scheint es auf Elisabeth Bircher abgesehen zu haben…
Der „alte“ Vorstand mit (v.l.) Astrid Gerschwiler, Aktuarin; Gabi Müller-Stucki, Präsidentin: Silvia Vinzenz, diverses; Ellen Schout Grünenfelder, Soziales; Rita Högger, Kurse, Ausflüge, Schülerbasteln; Erika Schneider-Haussener, Seniorenarbeit; Gabi Dobler, Kassierin.
Der neu formierte Vorstand mit (v.l.) Mireille Mussak-Voser, Kurse, Ausflüge, Schülerbasteln; Susanne Ribi-Irminger als Ersatz für die zurückgetretenen Rita Högger und Silvia Vinzenz.
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