Mi, 28.02.2007
Jahrgang 8, Nr. 2616
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Der Wald ein unbestechlicher Mahner im Klimawandel
An der GV der Förster des Kanton St.Gallen referierte der Forstingenieur Peter Brang

19.02.2007, Christian Jud
An der vom Förster Ernst Vetsch, Azmoos, Präsident des Forstverein St.Gallen zügig geleiteten Generalversammlung im Fürstenlandsaal in Gossau nahmen die Umsetzung der bisherigen Reviere in Waldregionen, die Ausführungen von Regierungsrat Josef Keller und das Referat von Peter Brang von der Eidgenössischen Forschungsanstalt in Birmensdorf zum Thema «Klimawandel- Baumartenveränderung»breiten Raum ein.

Nach den Handorgelklängen von Margrit Weibel wurde auf der Stadtsaal-Bühne in Gossau der Brauch vom lustigen Holzhacker vorgeführt.
Ernst Vetsch präsidiert den Verein der Förster im Kanton St.Gallen.
An Wald- und Forstwirtschaft- lichen Anlässen zeigt der zuständige Regierungsrat Josef Keller immer wieder, dass deren Anliegen immer auch Chefsache sind. Rechts: Der Forstingenieur Peter Brang bei seinem Vortrag.
«Stürme werden zunehmen», so die Langzeitprognose zur Klimaerwärmung. Das «Schiterdörfli» im Aufstieg zur Schwägalp ist ein Zeugnis davon, das Holz stammt vom Sturm Lothar.
In seinem Willkommgruss freute es den Präsidenten ErnstVetsch ganz besonders, dass der zuständige Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes, Regierungsrat Josef Keller die Anlässe der Wald- und Forstwirtschaft persönlich besucht, «und unsere Anliegen immer wieder zur Chefsache erklärt».

Besser oder einfach anders?
In seinem Jahresbericht erinnerte der Präsident daran, dass die Umsetzung der neuen Forstorganisation von den Revieren in neu zu fünf Waldregionen Wil-St.Gallen-Rorschach, Rheintal-Werdenberg, Sargans, See und Toggenburg alle Beteiligten enorm beansprucht und bisweilen auch belastet hat.

Die Antwort auf die Frage, ob die neue Waldorganistion besser oder einfach anders wäre, könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand schlüssig beantworten, und der Präsident wörtlich: «Für mich ist klar, Erfolg wird die neue Forstorganisation nur haben, wenn alle Beteiligten das auch wollen, und die Schwierigkeit wird sein, uns nach vorne zu orientieren». Das Denken in der Einheit Waldregion in nicht mehr in erster Linie als Revier bereite doch noch vielen Mühe. Im abgelaufenen Jahr haben 17 Forstwartlehrlinge, darunter erstmals eine Frau, die Abschlussprüfung bestanden, und im August nahmen wieder 15 Lehrlinge ihre Ausbildung in Angriff.

Flexiblere Strukturen
In seinen Ausführungen zur neuen Wald- und Forstorganisation«Wald SG» erinnerte Regierungsrat Josef Keller daran, dass diese seit Beginn dieses Jahres in Kraft ist und dass diese die bisherige Revierorganisation im Interesse flexibleren Strukturen abgelöst hat. Mit der Ausarbeitung von «Wald SG» wären die Voraussetzungen geschaffen, um die bestmögliche Information nach unten und nach oben auch zugunsten der Bevölkerung transparent werden zu lassen.

Dass die Ausarbeitung von «Wald SG» von der Politik kräftig mitgetragen wurde lasse die Hoffnung zu, dass sich die Wald- und Forstanliegen auch in der Zukunft in die Politik einbinden lasse. Es ist davon auszugehen, dass sich die Sensibilisierung der gesamten Bevölkerung zum Thema Wald verstärken wird.

Klima verändert sich immer
In seinem Vortrag «Klimawandel- Baumartenveränderung» erinnerte der Forstingenieur Peter Brang von der Eidgenössischen Forschungsanstalt in Birmensdorf daran, dass Klimaveränderungen schon immer zur Geschichte der Erde gehörten, und dass schlüssige Voraussagen auf die daraus resultierenden Veränderungen auf die Baumarten nur vage erstellt werden könnten. Auch das kälter werden des Klimas würde zur Veränderung gehören, kann aber in Beobachtung der Klimaentwicklung der letzten Jahrzehnte nicht zur Diskussion stehen.

Klimamessungen und –modelle zeigen zunehmende Temperaturen, mitverursacht durch das Freisetzen von Treibhausgasen, und ungewiss ist nur, wie stark die Temperaturen zunehmen. Die verschiedentlich angestellten Klimamodelle über die nächsten Jahrzehnte hinaus erlauben über die für den Wald viel wichtigeren Extremereignisse wie Trocken- und Nässeperioden sowie Stürme keine schlüssigen Aussagen. Immerhin ist eine wärmere Atmosphäre energiereicher, was eine Zunahme der Stürme wahrscheinlich macht.

Die angenommene Richtung
Mit dem Thema der Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Wald und auf die verschiedenen Baumarten und mit der Frage wie und ob überhaupt sich der Waldbau anpassen lasse, hat sich der Referent schon vor Jahren befasst und er bemerkte dazu:«Die dazumal aufgestellten Langzeitprognosen gehen in die Richtung der Annahmen. Die Erwärmung in den nächsten Jahrzehnten dürfte kaum zu einer wesentlichen Verschiebung der Baumartengarnitur in unseren Wäldern führen, dafür ist die ökologische Amplitude unserer Baumarten zu gross und ihre Wanderungsgeschwindigkeit zu klein».

Markante Änderungen wären allerdings zu erwarten, wenn das Klima deutlich trockener würde. Ein wichtiger Faktor um die Entwicklung des Waldes ist vor allem die Beurteilung von Extremereignissen, und der Referent:«Der grossen Unsicherheit können wir mit einem Handlungsprinzip begegnen: Risikoverteilung, im Waldbau heisst das, setzen wir auf Mischbestände mit mehreren standortgerechten Baumarten, von denen wenigstens einige mit den Bedingungen von morgen zurecht kommen werden».

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