Sa, 03.03.2007
Jahrgang 8, Nr. 2619
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Den Wortschatz spielerisch erweitert
Der Frauenverein Wil lud „Scrabble“-Meisterin zum Scrabble-Abend ein

23.02.2007, Christof Lampart
Das Ziel des Begehrens ist klein, quadratisch, rot und beschriftet: „Dreifacher Wortwert“ steht auf dem Viereck, dass mit dieser unmöglichen Buchstabenkombination erreicht sein will. Scrabble war am Mittwochabend in Wil angesagt – und zwar auf höchstem Niveau.

Gründliche Einführung in die Materie: Bevor gespielt wurde, übten die Spielerinnen und Spieler eine Stunde lang solo auf Blättern und Brettern.
50 Bonuspunkte für "Neutral".
Mit viel Humor und Leidenschaft führte die zweifache Deutsche
Scrabble-Meisterin,Blanca Gröbli-Canonica, 14 Spielerinnen und Spieler in die Feinheiten des kniffligen Buchstabenlegespiels ein.
Konzentrierte Trockenübungen.
Zumindest was die Spielleitung betrifft. Denn die Oberuzwilerin Blanca Gröbli-Canonica, welche den Scrabble-Abend des Wiler Frauenvereins leitet, gilt als die beste deutschsprachige Scrabblespielerin überhaupt, gewann sie doch vor kurzem zum zweiten Mal hintereinander das grosse Scrabble-Turnier der „Zeit“, welches gleichzeitig als Deutsche Meisterschaft gewertet wird.

Zwei mal dieses Turnier zu gewinnen – das hatte bis dato noch niemand geschafft. Und nun steht die Championesse da, im kleinen Saal des Evangelischen Kirchgemeindezentrums, und führt 14 Personen – vorwiegend Spielerinnen – witzig und charmant in die Geheimnisse des gezielten Buchstabenlegens ein.

Getuschel am Tisch
Doch vor dem Spiel hat Gröbli noch ein paar Trockenübungen angesetzt. Blätter werden ausgeteilt, auf denen Wörter erweitert und umgeändert werden sollen. „Spielt mit den Buchstaben“, rät die Meisterin, und sofort hebt am Tisch Getuschel an. Zu zweit oder zu dritt zu rätseln ist halt immer noch geselliger, als alleine vor sich hin zu knobeln.

Die Runde kommt in Fahrt. Aus „Beil“ wird „Geil“, dann „Teil“, „Meile“, „Zeile“ und „Keil“. Als jemand – die Runde sucht gerade Wörter, die auf „-ist“ enden – aus „Kommunist“ „Mist“ macht, grinst die Nachbarin: „Das würde sogar stimmen!“.

Satte Punkte für volle sieben
Doch schliesslich – eine Stunde ist mittlerweile wie im Fluge vergangen – kommen die Plättchen zum Einsatz. Aus sieben gezielt heraus gesuchten Buchstaben soll ein Wort gebildet werden. Sozusagen als Vorbereitung für höhere Weihen.

Denn war hier vor allem wie eine knifflige Denksportaufgabe aussieht, bringt im Turnier-Spiel satte 50 Bonuspunkte. „Ich konnte im Finale einmal drei Mal alle Buchstaben legen und machte so 150 Extrapunkte, während mein Kontrahent die Konsonantenseuche hatte. Glück gehört halt auch dazu“, erzählt Gröbli.

Am liebsten das Moxen ausgeixt
Doch alleine damit ist’s nicht getan – wie die Probanden gleich selbst bei einer Partie merken: Das Wissen um altertümliche Konjugationsformen und Sicherheit in der Deklination sind ebenso von Nöten wie ein grosser Wortschatz. Vor allem, wenn man mit einem unmöglichen Wort das rote Kästchen mit dem dreifachen Wortwert zudecken kann.

Gröbli macht die Runde und berät: Während die Laien innerlich schwitzend wie wild die Buchstaben auf dem Bänkchen hin- und herschieben, sieht Gröbli innert weniger Sekunden zehn Möglichkeiten, wo der Laie nach zwei Minuten Bedenkzeit höchstens zwei heraus gefunden hat. Und schon gar nicht so lukrative. „Moxt“ empfiehlt sie einer Dame – und deren Gegner schaut verwirrt? „Das ist die Befehlsform von moxen, was wiederum von Moxibustion abgeleitet wird, einer alternativmedizinischen Behandlungsform, die zur traditionellen Chinesischen Medizin gehört“, erläutert Gröbli. Aha.

Und was, bitteschön, soll das Wort „ix“ bedeuten? „Früher bei den Schreibmaschinen hat man Fehler korrigiert, indem man das Wort mit kleinen „x“ sozusagen durchgestrichen hat; diese Tätigkeit nennt man „Ausixen“. Sagenhaft. Schwer zu Glauben, dass Gröbli nicht den ganzen Tag mit dem Studium des Dudens verbringt, welcher als „Bibel“ für die deutschsprachigen Scrabblespieler gilt: Denn was drin steht, darf gelegt werden. Auch Schweizerdeutsches wie „Anken“, „Zmorge“, „Ätti“ oder „Spunten“. „Die Kunst im Scrabble besteht darin, die Vorlagen, die einem der Gegner gibt, auszunutzen“, erklärt Gröbli-Canonica. Und es klingt so einfach.
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Scrabble mit Gröbli am Spielfest
Wer gerne noch mehr über Scrabble erfahren oder gar einmal selbst gegen Blanca Gröbli-Canonica eine Partie Scrabble spielen möchte, hat demnächst in Wil wieder Gelegenheit dazu, hat doch die Meisterin am 15. Wiler Spielfest (31. März/1.April) im Wiler Stadtsaal einen eigenen Stand. Weitere Informationen unter: www.spielfest.ch.vu Auch lädt Blanca Gröbli-Canonica jeden zweiten Dienstag im Monat um 14.30 Uhr ins Hotel Uzwil in Uzwil zum Scrabble-Nachmittag ein.

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