Sa, 03.03.2007
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Wilde Rhythmen und kraftvolle Tänze prägen das Stück "In the Ghetto".
Die Kraft des Tanzens und Singens
Das Musical „In the Ghetto“ zeigt südafrikanische Lebensfreude im Milieu von Armut und alltäglicher Gewalt.

25.02.2007, Cornelia Forrer
Rhythmus und Lebensfreude, verpackt in eine bewegende und fesselnde Bühnenshow, prägen das farbenfrohe Bild des Musicals „In the Ghetto“, das am Freitag in der Tonhalle Wil gespielt wurde. Die obligate Standing Ovation fehlte auch hier nicht.


Soziale Themen und Probleme werden anschaulich und farbig vermittelt.
Die Tradition spielt eine grosse Rolle im Leben der südafrikanischen Jugendlichen.
In der South African Musical Group ist jede/r ein talentiertes Individuum.
Eigentlich ist die Handlung ja nicht eben froher Natur, prägen doch Gewalt und Armut den Alltag der südafrikanischen Jugend in hohem Masse. Zum Wesen des Südafrikaners aber gehört es nun einmal auch, die Lebensfreude zu leben. Durch sie alleine ist der harte Alltag ja erst erträglich.

Das Musical „In the Ghetto“ vermag dies ganz besonders auszudrücken. Mit Rhythmus und Farbe, verpackt in eine fetzige Musicalshow, die ein audentisches Bild des südafrikanischen Jugendlichen demonstriert. Hier spielen die Musik und der Tanz eine übergeordnete Rolle. Traditionelle Musik und Stammestänze in prächtigsten Kostümen wechseln sich mit rassigen Elementen des Hip-Hop, Breakdance und Jazz ab.

Hier verbindet sich auch Altes und Neues, paaren sich jahrhundertealte Mythen und zeigt sich immer wieder auch, dass auch schlimme Begebenheiten mit Tanz und Gesang besser verarbeitet werden können.

Lebenspuls fühlen
Trotz trister Wellblechbaracken pulsiert das Leben und unscheinbarste Situationen lassen Tanz entstehen: die Strassenarbeiter mit ihren Gummistiefeln stampfen die Musik, oder die Schulmädchen in ihren Uniformen funktionieren ihre Coladosen zu Instrumenten um und tanzen zur Musik. Doch auch die Genesung des verprügelten Jugendlichen wird als Grund zum Festen genutzt, so wie jede weitere kleinere und grössere Gelegenheit. Hier liesse sich für westliche Menschen doch wohl einiges dazu lernen.

Dabei ist jedes einzelne Mitglied des Ensembles der South African Musical Group ein Individuum auf der Bühne und jederzeit voll und kraftvoll präsent, ob Schuhputzer, Marktfrau, Barbesitzerin oder Trinker. Die perfekte Körperbeherrschung und Musikalität sind stets eine Selbstverständlichkeit. Begleitet vom Rhythmus afrikanischer Trommeln reisst die explosive Energie auf der Bühne jeden Zuschauer mit und bindet ihn in die Handlung ein, ob er will oder auch nicht.

Wilde Armbewegungen, sanft schwingende Hüften, fast aggressiv stampfende Beine und wilde Sprünge demonstrieren Kraft und Ausdauer und zeigen in eindrücklicher Form das Wesen des Jugendlichen, insbesondere aber des süfafrikanischen Teenagers: Ich will wahrgenommen werden und bin da!

Im Spannungsfeld
Das Stück zeigt, wie Jugendliche heute in Soweto im Spannungsfeld zwischen Schule und ersten Jobs, zwischen Stadt- und Landleben, konfrontiert mit Gewalt und Kriminalität, leben. In diesem Musical findet die Handlung zwar einen glücklichen Ausgang und der Totgeglaubte kann geheilt werden, doch die Realität sieht meist anders aus.

Soziale Spannungen, Gewalt in den Townships und Armut sind an der Tagesordnung. Auch dieser Teil Südafrikas wird in der Aufführung „In the Ghetto“ nicht einfach ausgeklammert. Lebendige Vergangenheit und optimistische Bewältigung der Gegenwart mit all ihren Problemen ziehen sich als roter Faden durch die ganze Produktion.

Das Leben im Ghetto ethnischer Gruppierungen ist meist mit grossen sozialen Problemen und einer hohen Arbeitslosigkeit verbunden. Diese „housing zones“ müssen dabei nicht einmal mit Zäunen klar abgegrenzt werden: Die Grenzen sind auch so klar. Doch die hier lebenden Menschen bewegen sich auch ausserhalb ihrer „restrictet areas“.

Der Seitenwechsel
Der Wunsch und die Träume der Eltern, ihre Kinder mögen eine gute Schulbildung geniessen und den imaginären Schritt auf die andere Seite des „Zaunes“ schaffen, ist weit verbreitet. Die Jugendlichen selber versuchen ihr Leben mit Aushilfsjobs attraktiver zu gestalten. Und wenn kein Geld da ist, kann man immer noch kostenfrei und freudvoll tanzen, singen und musizieren.

Diese unbändige Freude ist es, die den westlichen Kulturen oft fehlt. Sie hilft nämlich, die Sorgen und Probleme zu bewältigen, lenkt von unguten Taten ab und ermöglicht ein Weitergehen. Doch auch der familiäre Zusammenhalt hat in Südafrika noch immer einen grossen Stellenwert.

Jobs im künstlerischen Bereiche sind jedoch knapp. Ungezählte Talente wurden deshalb in tagelangen Auditions vom Produktionsteam „gecastet“ und dann ausgewählt. Die Mitwirkenden der South African Musical Group stammen sämtliche aus Südafrika. Sie sind stolz darauf, einen Teil ihrer Heimat in die Welt zu tragen, aus dem Alltag zu „erzählen“ und damit zum zwischenkulturellen Verständnis beizutragen.

Südafrikas Botschaft
Die Gruppe wurde in den Jahren 2002/03 für die Produktion „Vibrating Africa“ gegründet und dafür mit dem INTHEGA-Preis als beste Musiktheaterproduktion ausgezeichnet. Auch mit der Produktion „In the Ghetto“ gewann sie 2005/06 den Preis erneut. Die South African Musical Group versteht sich als Botschafter Südafrikas.

Claude King, der die Musik komponierte, ist einer der bekanntesten Komponisten und Texter Südfafrikas. Das Multitalent und Wunderkind trat bereits mit 16 Jahren als jüngster professioneller Schlagzeuger Südafrikas im Musical „Jazz & Variety“ auf. Er widmet sich höchst engagiert der Komposition musikalischer Arrangements und Film-, TV- und Werbeproduktionen. Die Verschmelzung von westlichen und afrikanischen Klängen ist eine seiner „Markenzeichen“.

In Europa feierte er bereits grosse Erfolge mit den Musicals „Izi Dumo“ und „Vibrating Africa“. Mit dem Film „Adora“ und den Dokumentationen „The Xhosa Wars“ und „Robben Island“ machte er speziell in Südafrika auf sich aufmerksam. King komponierte aber auch die Musik für die südafrikanische Version der Sesamstrasse. Zuletzt hatte er die Musik zu dem auf Shakespeares „Der Sturm“ basierenden Musical „Prospero’s World“ geschrieben, das im Oktober 2005 im grossen Festspielhaus Salzburg uraufgeführt wurde.

Soziale Themen
Die Choreografie des Stückes „In the Ghetto“ stammt von Portia Mashigo, die in den frühen Achtzigerjahren mit dem Tanzen begann. Nach Abschluss ihrer Ausbildung bei „Moving Into Dance Mophatong“ wurde sie im Jahr 1990 Mitglied der professionellen „Dance Company“. Zwei Jahre später erhielt sie das Diplom als Tanzlehrerin.

Mashigo kreierte preisgekrönte Choreografien wie „Let There Be Peace“; „Mum’s Man“ oder „Blues for Mama“. Im Jahr 2002 gründete sie das Lebohang Dance Project (LDP), bei dem sie als Tänzerin, Choreografin und Trainerin mitwirkt. Das LDP beschäftigt sich tänzerisch mit sozialen Themen, insbesondere auch mit der Stellung der Frau in der afrikanischen Gesellschaft.

Die Menschen Südafrikas nutzen jede Gelegenheit zum Tanzen.
Wenn Armut und Perspektivelosigkeit den Alltag prägt, müssen neue Wege gesucht werden.
Die South African Musical Group versteht sich als Botschafter Südafrikas.
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