Die sechs Maturanden, welche ihre Projekte vorstellten: v.l. Jaison Parampett, Michelle Mesmer, Lukas Huber, Flavio Viazzoli, Daniela Brunner und Rea-Mira Müller.
Erderwärmung: Lukas Huber zeigte an Hand der Temperaturkurve auf, wie stark sich das Klima gerade in den letzten 30 Jahren verändert hat.
Zur Achtsamkeitspraxis in der Meditation gehört auch die zugehörige Haltung.
Mit praktischen Experimenten überprüfte Daniela Brunner das Sehvermögen der Honigbiene.
„Wissen, das den Lebenssinn erweitert“ In einer eindrücklichen Schau präsentierten sechs Maturanden der Kantonsschule Wil am Montagabend ihre Maturaarbeiten, die Themenauswahl beeindruckte.
27.02.2007, Niklaus Jung Die Präsentation der Maturarbeiten an der Kantonsschule Wil zeigte auf eindrückliche Weise auf, dass die jungen Leute sich bei ihren Arbeiten nicht allein auf vertiefte Auseinandersetzung mit einem Thema beschränken. Gerade die Themenwahl wie Klimaerwärmung Meditation und Staatsformen sind ausgezeichnete Wissensbereiche für mehr Lebensqualität und Lebenssinn. Rektor Walter Akeret zeigte sich stolz über die getroffene Wahl der Maturanden und die Qualität der Arbeiten.
Die Maturaarbeit stellt für den Maturanden, so auch deren Begleiter hohe Ansprüche, bekanntlich gilt deren Bewertung auch für die Abschlussprüfung. Erstaunlich zeigte sich, wie junge Leute sich höchst anspruchsvollen und tiefer gehenden Themen widmen wollen und dies in einer gründlichen Art auch umsetzen. Einem grösseren Publikum konnten sechs Maturanden und Maturandinnen am Montagabend ihre Arbeit im grossen Saal der Kantonsschule Wil vorstellen. Sechs total unterschiedliche Themen forderten das Publikum, den Betrachtungen und Untersuchungen seitens der Maturanden folgen zu können.
Optimierung von Heizsystemen Die Maturaarbeit von Lukas Huber, begleitet von Dr. Daniel Schläpfer, mit dem Titel „Optimierung von Heizsystemen für Einfamilienhäuser“ entpuppte sich ob der übergreifenden Betrachtung zum darnieder liegenden Ökosystem als hoch aktuelles Thema. Dass sich das tiefere Angehen des Themas lohnen sollte, machte der Maturand an Hand der Temperaturentwicklungskurve über den Erdball deutlich, der Temperaturanstieg der letzten 30 Jahre, hätte schon länger die Alarmglocken aktivieren sollen.
Lukas Huber zeigte auf, dass Oel und Gas bei rund 80 Prozent bei den heutigen Heizanlagen angewendet werden. Mit einem selbst erarbeiteten ausgeklügelten Rechenmodell zeigte er die jeweiligen Kosten und Umwelteinflüsse für Anwendungen wie Oel, Gas, Wärmepumpe und Solarzellen im Vergleich auf. So präsentierten sich in seiner Rechnung die Anwendungen mit Oel und Holzpellets als teuerste Varianten. Hingegen könnten auch Wärmpepumpen ökologisch negativ ausfallen, wenn der dafür benötigte Strom aus Kohlekraftwerken bezogen werde. Seine Schlussfolgerung: Als erste Massnahme für beste Isolation beim Gebäude sorgen, ein günstigstes Heizsystem gebe es nicht.
Vipassana Meditation Der sogenannten „Einsichtsmeditation“ widmete sich die Maturandin Rea-Mira Müller mit ihrem Betreuer Beat Steiger. Die Meditationstechnik, von Indien kommend, widmet sich insbesondere der Beseitigung geistiger Unreinheiten und dem Weg der Selbstbeobachtung. Die Achtsamkeitspraxis untersuchte die Maturandin auch am Beispiel des Waldklosters Dhammapala in Kandersteg. Das Leben der Mönche und Nonnen richtet sich nach der Tradition des thailändischen Mönchs Ajahn Chah.
Das Leben gilt der Ausrichtung auf die „Rechte Achtsamkeit“, der Geist des Menschen soll von jeder gefälschten Einwirkung von aussen frei gehalten werden. Angestrebt wird eine bewusstere Lebensweise, das Fernhalten von blinden Impulsen und das Erkennen von Gewohnheitsmustern. Genauso wie wir unseren Körper auf eine gewisse Tätigkeit einstellen, soll auch die dazu notwendige Haltung überprüft werden. Zu den Zielen nannte Rea-Mira Müller die grundsätzliche Haltung von Freundlichkeit, Akzeptanz gegenüber sich selber und anderen Menschen.
Das Sehvermögen der Honigbiene Daniela Brunner, ihre Betreuerin war Tanja Weis, widmete sich in ihrer Maturarbeit der Auseinandersetzung, welches Sehvermögen die Honigbiene anwenden kann, um ihren Blütenhonig finden zu können. Die Biene hat mehr Anteile am Ultraviolett gegenüber dem Menschen, aber die Farbe Rot sei gleich der Farbe Schwarz beim Menschen, nicht als Farbe definierbar. Auch Grauanteile könne die Biene nicht unterscheiden. Dies alles belegte Daniela Brunner mit zahlreichen praktischen Tests mit Bienen, wie diese auf Farben und Formen reagieren, bei der Futtersuche.
Einfluss der Medien auf das Schönheitsideal junger Frauen Die vierte Präsentation von Michelle Messmer mit ihrer Betreuerin Doris Dietler Schuppli galt der Untersuchung, wieweit die Medien Einfluss nehmen auf das Schönheitsideal von jungen Frauen. Michelle Messmer wollte die Vorstellung der jungen Frauen einerseits mit der Idealvorstellung seitens der Medien vergleichen. Den grossen Einfluss der Medien auf das geltende Schönheitsideal konnte die Maturandin vielfach belegen.
Für viele junge Frauen stehe hinter dem Schönheitsideal der Druck mit einer Diät nachzuhelfen, jedenfalls hätten weit über 50 Prozent der jungen Frauen entweder schon eine Diät angewendet, oder zumindest sich mit dem Gedanken auseinander gesetzt. Die Umfrage an der Kanti Wil habe mit 95 Prozent ergeben, dass die Medien unter Schönheit die Werte Gross, Schlank, mager, vollbusig und lange, blonde Haare in den Vordergrund stellten. Die Beurteilung seitens der Jugend selber unterscheide sich nur in der anderen Wahl der Haarfarbe, nämlich braun.
Die Staatstheorie von Niccolo Machiavelli Der Maturand Jaison Parampett, Rektor Walter Akret war sein Betreuer, befasste sich mit der Staatstheorie von Niccolo Machiavelli (1469-1527). Der Maturand wollte insbesondere die Idealvorstellung bezüglich Staatsform seitens Machiavelli darin beurteilen, wieweit diese auch aus heutiger Sicht gerechtfertigt sei. Untersucht hat Parampett insbesondere dessen Werke „Discorsi“ und „Fürst“, Machiavelli war zu seinen Lebzeiten Politiker der Republik Florenz und galt als Analytiker auf seinem Gebiet.
Den Zweck eines Staates umschrieb Machiavelli als Ausgangslage für mehr Sicherheit, die totale Freiheit des Einzelnen berge zu viele Gefahren, alleine könne sich niemand erfolgreich verteidigen. Machiavelli habe die Republik als idealste Staatsform umschrieben. In Notsituationen könne aber auch die Monarchie hilfreich sein, um schnelle Entscheidungen zu ermöglichen. Der Maturand nannte zur Erhaltung eines geordneten Staates drei Grundpfeiler. Die Gesetze, für Gleichheit für alle Bürger und um den schlechten Trieben des Volkes Einhalt zu gebieten. Die Rückkehr zum Ursprung, um das Sittenverderbnis zu verhindern. Und drittens Krieg und Kriegswesen, um sich gegen andere behaupten zu können.
Machiavelli habe festgestellt, dass die Anerkennung des Volkes besser über die Furcht als durch Liebe erreicht werde. Auch müsse man mit der Schlechtigkeit der Menschen umgehen können und allenfalls auch einmal mit schlechtem Handeln Gutes erreichen. In allem gelte es immer den guten Schein zu bewahren. Letztlich müsse man Machiavelli als Analytiker sehen und keineswegs als Moralprediger.
Der „Aluja de Xango“, seine Transkription auf Schlagzeug Den Schlusspunkt der Präsentationen besorgte Flavio Viazoli, sein Betreuer war Stefan Flückiger, mit der Vorstellung der Entstehungsgeschichte des Aluja de Xango und seine Traskription auf Schlagzeug. Dass seine Studien einer praktischen Vorstellung bedurften, hatte Viazoli wohl selber festgestellt. Die religiös motivierten Rhythmen des Aluja de Xango, ursprünglich aus Afrika, aus dem Raum Nigeria kommend, stellte er in den verschiedenen Ausprägungen am Schlagzeug und weiteren Trommeln vor. Via Sklavenhandel seien diese Rhythmen auf den amerikanischen Kontinent übergegangen.
Am Schlagzeug und weiteren Trommeln führte Flavio Viazzoli die verschiedenen Rhythmen auf eindrückliche Weise vor, Rhythmen, welche in unseren Breitengraden eher selten zu hören sind.
Mit einem Apero und der Ausstellung weiterer Maturaarbeiten endigte die Präsentation. Die zahlreichen Besucher hatten wohl ob den Präsentationen der Maturanden genügend Diskussionsstoff. Erfreulich dürfte auch die Feststellung gewesen sein, dass sich die heutige Jugend nicht nur oberflächlichen Themen widmet, sondern auch für tiefergehende Wissensbereiche zugänglich ist.
Schönheitsideale, von den Medien beeinflusst: Damit befasste sich Michelle Messmer.
Einem besonderen Politiker, Niccolo Machiavelli aus Florenz, widmete sich Jaison Parampett.
"Aluja de Xango", Schlagzeugrhythmen der besonderen Art waren Thema der Maturaarbeit von Flavio Viazzoli.
Wie man sich die Aufführungen im afroamerikanischen Stil vorstellen musste, zeigte er an verschiedenen Abbildungen.