03.11.2002, S�mon Dudle und Martin Ammann
Einmalig, sensationell, phantastisch, grandios, himmlisch
Der FC Wil ist nach dem 11:3 Kantersieg über den FC St. Gallen die klare Nummer 1 der Ostschweiz.
Der FC Wil erreicht im Kantonsrivalen-Derby gegen den FC St. Gallen ein Resultat, von dem nicht mal Geschäftsführer Marcel Peter zu träumen gewagt hätte (�Ich träumte von einem 3:0.�). Es machte bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, bumm, und dann war Pause. Und weil die Aebtestädter in regelmässigen Abständen weiterballerten, gab es ein Resultat, das es seit 1960 nicht mehr gegeben hatte auf Schweizer Fussballplätzen � 11:3.
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Es war eine gute halbe Stunde nach Spielschluss. Stefan Wolf steht vor dem Spielerausgang des Bergholz und versucht den Medien gegenüber Worte zu finden, was ihm sichtlich schwer fällt. Er spricht wie Patrick Winkler kurz zuvor davon, dass der FC St. Gallen kein Team sei und jeder mache, was er wolle. Gleichzeitig geht in der nahe gelegenen und neu erbauten V.I.P.-Louge ein Riesengejohle los, Heinz Peischl hatte soeben den Raum betreten. Vor dem Stadion wartet ein Mob St. Galler-Fans beim Team-Bus und empfängt jeden einzeln Spieler mit Sprechgesängen wie �Ihr seid das Geld nicht wert.� Heinz Peischl, der kurz zuvor durchspazierte, wurde von diesen Fans aufgefordert, beim FC St. Gallen Trainer zu sein. Während des Spiels erhoben sich neben den Damen und Herren der Sektor-B Sitzplätze sogar die Leute auf der Haupttribüne, als sie von den Fans im Sektor D aufgefordert wurden, ein Novum. Einfach einmalig, diese Emotionen.
Neun Tore in einer Halbzeit
Dabei hatte es für die Wiler gar nicht gut angefangen. Youngstar Barnetta flankte von der rechten Seite in den Wiler Strafraum und schon stand es nach nur 124 Sekunden 0:1. Und eine fast genau gleiche Szene hätte nur fünf Minuten später zum 0:2 führen können; Jairo setzte einen Corner direkt auf die Lattenoberkante. Damjanovic, der für Beney, dem im Krankenhaus der Blinddarm rausoperiert wurde, spielte, konnte sich genauso beim Aluminium bedanken wie nach einer halben Stunde, als wieder Jairo nur die Latte traf. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel aber bereits gedreht. Romano trat einen Freistoss, wie es das Lehrbuch vorschreibt, Bamba bestrafte einen unmotivierten Sonntagsausflug von Agosti und Naldo, der das 2:1 vorbereitet hatte, markierte den dritten Treffer. Da Bamba und Fabinho auf 5:1 erhöhten, schien die Partie gelaufen. �Dann dachten einige meiner Spieler es reiche, den Ball ein wenig hin und her zu schupfen� bemängelte Heinz Peischl, der sich auch in der zweiten Halbzeit noch über die Fehler seiner Spieler lautstark ärgerte. Das nonchalante Auftreten bestraften die St. Galler und verkürzten durch Tachie-Mensah und Wolf auf 5:3. Und danach kamen die Hauptstädter mit neuem Selbstvertrauen stark auf und drängten auf den Anschlusstreffer. Aber Bamba, der Mann der ersten Halbzeit, erzielte bei einem Konter das vorentscheidende 6:3.
Effizienz als Hauptunterschied
Weil die St. Galler im zweiten Umgang die raren Möglichkeiten vergeigten und Wil regelmässig traf, war es schon fast keine Überraschung mehr, dass Lustrinelli mit einem verwandelten Penalty nach gut 75 Minuten das Stängeli voll machte. Es ist aber nicht das erste Stängeli in einem St. Galler-Derby. Zu Nationalliga B-Zeiten gewann Wil gegen Gossau mal mit 10:1, auch nach einem 0:1-Rückstand übrigens. Der gross gewordene Bruder hatte aber noch immer nicht genug und Pavlovic machte sein drittes Saisontor. Im nächsten Spiel wird er aber fehlen, weil kurz vor seinem Treffer seine vierte Gelbe Karte der Saison kassiert hatte.
St. Gallen-Trainer Staub mochte das Gebotene nicht gross analysieren, viel eher gab er sein Team auf: �Wenn wir hier gewonnen hätten, wären wir dran gewesen, bei einem Punkte hätten wir noch Chancen gehabt, jetzt ist es aber vorbei.� Die Worte eines Mannes der wohl damit rechnet, nicht mehr lange Trainer zu sein. Gewohnte Töne gab es von Heinz Peischl: �Es war ein kleiner Schritt Richtung Finalrunde. Am 8. Dezember wird abgerechnet.� Wie schon beim Derby auf dem Espenmoos im August gab es auch diesmal nach dem Spiel einige Scharmützel, der Sicherheitsdienst musste Pfefferspray einsetzen. Ein Wehmutstropfen nach einem genialen Nachmittag. Aber es konnte ja fast nicht schief gehen, denn das Wiler U15-Team hatte am Mittag auswärts vorgelegt und mit 9:1 gewonnen, natürlich gegen den FC St. Gallen.
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SR: Rogalla
Tore: 3. Barnetta 0:1. 12. Romano 1:1. 17. Bamba 2:1. 24. Naldo 3:1. 30. Bamba 4:1. 33. Fabinho 5:1. 38. Alex 5:2. 40. Wolf 5:3. 45. Bamba 6:3. 49. Romano 7:3. 52. Naldo 8:3. 70. Mordeku 9:3. 76. Lustrinelli (Foulpenalty) 10:3. 90. Pavlovic 11:3.
FC St. Gallen: Agosti; Winkler, Tato (53. Chaile), Wolf, Dal Santo (21. Hejduk); Barnetta, Imhof, Jairo, Lerinc (32. Alex), Jenny; Gane.
Einwechslungen beim FC Wil 1900: 46. Dilaver (für Rizzo), 52. Mordeku (für Bamba), 55. Lustrinelli (für Naldo)
Gelbe Karten: 12. Rizzo (Foul), 16. Imhof (Foul), 40. Hasler (Foul), 77. Sutter (Foul), 83. Hejduk (Foul), 83. Pavlovic (Foul, im nächsten Spiel gesperrt).
Bemerkungen: Wil ohne Beney (Blinddarm-Operation) und Zellweger (verletzt). St. Gallen ohne Guido (krank), Oberli (verletzt, Kreuzband-Operation), Colacino (gesperrt) und Berger (U21-Team St. Gallen). 7. Corner von Jairo auf die Latte. 29. Schuss von Jairo an die Latte.
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